
Das Telefon klirrte in seine Gedanken. »Verdammt!« Er hatte eine Sekunde alles vergessen gehabt. Es gab solche Augenblicke des Versinkens. Da war ja noch die Frau nebenan.
»Ich komme«, rief er.
»Erschrocken?« Er hob den Hörer ab. »Was? Ja. Gut... ja... natürlich, ja... es wird gehen... ja. Wo? Gut, ich komme sofort. Heißen Kaffee, starken Kaffee... ja...«
Er legte den Hörer sehr behutsam zurück und blieb ein paar Sekunden nachdenklich auf der Sofalehne sitzen. »Ich muß fort«, sagte er dann. »Eilig.«
Die Frau stand sofort auf. Sie schwankte etwas und stützte sich auf den Stuhl.
»Nein, nein...« Ravic war einen Moment gerührt von dieser gehorsamen Bereitwilligkeit. »Sie können hierbleiben. Schlafen Sie. Ich muß weg für ein, zwei Stunden; ich weiß nicht, wie lange. Bleiben Sie nur hier.« Er zog seinen Mantel an. Flüchtig kam ihm ein Gedanke. Er vergaß ihn sofort. Die Frau würde nicht stehlen. Sie war nicht der Typ. Den kannte er zu gut. Es war auch nicht viel da zu stehlen.
Er war schon an der Tür, als die Frau fragte: »Kann ich mitgehen?«
»Nein, unmöglich. Bleiben Sie hier. Nehmen Sie, was Sie noch brauchen. Das Bett auch, wenn Sie wollen. Kognak steht drüben. Schlafen Sie...«
Er wandte sich um. »Lassen Sie das Licht brennen«, sagte die Frau plötzlich und schnell.
Ravic ließ die Klinke los.
»Angst?« fragte er.
Sie nickte.
Er zeigte auf den Schlüssel. »Schließen Sie die Tür hinter mir ab. Ziehen Sie den Schlüssel heraus. Unten ist noch ein zweiter Schlüssel, mit dem ich hereinkommen kann.«
