»Sie sind Russin?« fragte er.

»Nein.«

Ravic zahlte und stand auf, um sich zu verabschieden. Im gleichen Augenblick stand die Frau ebenfalls auf. Sie tat es schweigend und selbstverständlich. Ravic sah sie unschlüssig an. Gut, dachte er, ich kann es auch draußen tun.

Es hatte angefangen zu regnen. Ravic blieb vor der Tür stehen.

»In welche Richtung gehen Sie?« Er war entschlossen, in die entgegengesetzte Richtung einzubiegen. »Ich weiß nicht. Irgendwohin.« »Wo wohnen Sie denn?«

Die Frau machte eine rasche Bewegung. »Dahin kann ich nicht! Nein! Das kann ich nicht! Nicht dahin!«

Ihre Augen waren plötzlich voll von einer wilden Angst. Gezankt, dachte Ravic. Irgendeinen Krach gehabt und auf die Straße gelaufen. Morgen mittag würde sie sich alles überlegt haben und zurückgehen.

»Kennen Sie nicht irgend jemand, zu dem Sie gehen können? Eine Bekannte? Sie können in der Kneipe telefonieren.«

»Nein. Niemand.«

»Aber Sie müssen doch irgendwohin. Haben Sie kein Geld für ein Zimmer?«

»Doch.«

»Dann gehen Sie in ein Hotel. Es gibt hier überall welche in den Seitenstraßen.« Die Frau antwortete nicht.

»Irgendwohin müssen Sie doch«, sagte Ravic ungeduldig. »Sie können doch nicht im Regen auf der Straße bleiben.«

Die Frau zog ihren Regenmantel um sich. »Sie haben recht«, sagte sie, als fasse sie endlich einen Entschluß. »Sie haben ganz recht. Danke. Kümmern Sie sich nicht mehr um mich. Ich komme schon irgendwohin. Danke.« Sie nahm den Kragen des Mantels mit einer Hand zusammen. »Danke für alles.« Sie sah Ravic von unten herauf mit einem Blick voll Elend an und versuchte ein Lächeln, das ihr mißlang. Dann ging sie fort durch den nebligen Regen, ohne zu zögern, mit lautlosen Schritten.



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