Es war schon ein verzweifelter Schritt gewesen, auf die Gehaltsüberweisungen einfach zu husten, doch ich hatte versucht, vor der Arbeit zu schreiben, nach der Arbeit, im Zug und am Wochenende. Es war jedoch nur Müll dabei herausgekommen. Eine übersehbare Zeitspanne in stiller Abgeschiedenheit, ohne Vorwände und Ausreden, so hatte ich es mir ausgemalt, würde die Sache so oder so klären. Die anfängliche Überdrehtheit tat meinem intensiven Gefühl des Glücks keinen Abbruch; ich hatte die Zehen in die ersten Spalten der Felswand gesetzt.

Da ich mich mit dem Überleben in widrigen Umständen zufällig recht gut auskannte, konnte die Aussicht auf magere Zeiten mich nicht besonders schrecken. Im Gegenteil, ich freute mich darauf, wie auf eine Art Bewährungsprobe für meinen Scharfsinn. Was ich nicht berücksichtigt hatte, war die Tatsache, daß man schon vom Herumsitzen und Nachdenken allein ordentlich friert. Ich hatte nicht gewußt, daß ein beschäftigtes Hirn den inaktiven Händen und Füßen klammheimlich Wärme entzieht. Bei meinen sämtlichen vorherigen Erfahrungen mit extremer Kälte war ich immer in Bewegung gewesen.

Der Brief von Ronnie Curzon kam an einem besonders kalten Morgen, als sich die Eisblumen wie eine halb he-runtergelassene Jalousie über die Innenseite des Dachfensters im Haus der Tante meines Freundes ausbreiteten. Dieses Fenster, mit seiner schönen Aussicht über die Themse bei Chiswick, über die dahinsegelnden Möwen und den Schlamm bei Ebbe, dieses Fenster, meine Wonne, hatte am meisten dafür gesorgt, daß sich meine Hirngespinste in Worte verwandelten. Ich hatte einen Stuhl auf ein Podest gerückt, damit ich von dort beim Schreiben den weiten Blick über den baumgesäumten Horizont von Kew Gardens genießen konnte. Noch nie hatte ich bislang einen auch nur halbwegs passablen Satz zustande gebracht, wenn ich direkt auf eine weiße Wand schaute.



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