
«Lieber John«, stand in dem Brief.
«Würdest Du mal bei mir im Büro vorbeischauen? Es gibt da eine Anfrage hinsichtlich der amerikanischen Lizenzen für Dein Buch. Könnte interessant für Dich sein. Wir sollten auf alle Fälle einmal darüber reden.
Schöne Grüße, Ronnie. Warum hast Du kein Telefon wie jeder andere normale Mensch?«
Amerikanische Lizenzen! Nicht zu glauben.
Gar wundersam erwärmte sich der Tag. Amerikanische Lizenzen, solche Sachen passierten nur erfolgreichen Autoren, nicht irgendwelchen Leuten, die sich auf unbekanntem Terrain abrackerten, von Selbstzweifeln und Unsicherheit zernagt und darauf angewiesen, daß man ihnen ein ums andere Mal bestätigte, daß das Buch prima sei, es ist prima, machen Sie sich keine Sorgen.
«Machen Sie sich keine Sorgen«, hatte Ronnie herzlich gesagt, als er mich nach Durchsicht des Manuskripts, das ich einige Wochen zuvor ohne Ankündigung auf seinem Schreibtisch abgeladen hatte, zu sich einlud.»Machen Sie sich keine Sorgen, ich bin sicher, daß wir einen Verleger für Sie finden werden. Überlassen Sie alles mir. Ich werde sehen, was ich tun kann.«
Tatsächlich hatte Ronnie Curzon, seines Zeichen literarischer Agent, mit der Zungenfertigkeit des Handelsmannes einen Verlag für mich ausfindig gemacht; obendrein gleich ein renommiertes Haus, an das ich mich selbst nie herangewagt hätte.
«Die haben dort ein breites Programm«, klärte er mich freundlich auf.»Die können es sich leisten, ein paar Erstlinge aufzunehmen, obwohl das alles nicht mehr so einfach ist wie früher. «Er seufzte.»Unterm Strich muß eben alles wieder stimmen, und so weiter und so fort. Trotz alledem«, strahlte er mich an,»trotz alledem haben sie Sie zum Essen eingeladen, zum gegenseitigen Kennenlernen. Das ist die gute Nachricht.«
Ich hatte mich allmählich an Ronnies schnelle Umschwünge zum Pessimismus und zurück gewöhnt. Er erzählte mir, daß ich mit unheimlich viel Glück zweitausend Exemplare verkaufen würde, und im gleichen Atemzug, daß eine gewisse Schriftstellerin ihre Taschenbuchauflagen in Millionen abrechnete.
