
So sah mein Leben jetzt aus. Am Anfang, nachdem ich den Job bei MediaTronics verloren hatte, fand ich es interessant, mich mit den Rivalitäten zwischen den Geschwistern zu befassen. Und oft schien mir der Unterschied zu meinem alten Job nicht besonders groß.
Bei MediaTronics stand ich einer Programmierabteilung vor und hatte eine Gruppe talentierter, junger Computerspezialisten unter mir gehabt. Mit vierzig war ich zu alt, um selbst weiterhin als Programmierer zu arbeiten; Codes zu schreiben ist etwas für junge Leute. Ich wurde also Abteilungsleiter, und das war ein aufreibender Job. Wie die meisten Silicon-ValleyProgrammierer schienen meine Leute beständig in der Krise zu stecken: zu Schrott gefahrene Porsche, Eifersuchtsdramen, unglückliche Liebschaften, Auseinandersetzungen mit den Eltern oder Drogenprobleme. Und das alles bei einem äußerst knappen Zeitplan, der nicht selten verlangte, dass die ganze Nacht durchgearbeitet wurde, nur aufrechtgehalten durch kistenweise Cola light und Sun Chips.
Aber es war eine spannende Arbeit auf einem ganz neuen Gebiet. Wir programmierten so genannte »verteilte, parallele Anwendungen oder agentenbasierte Systeme«. Diese Programme bilden biologische Prozesse nach, indem sie innerhalb des Computers virtuelle Agenten erzeugen und sie dann inter-agieren lassen, um Probleme der realen Welt zu lösen. Das klingt seltsam, aber es funktioniert sehr gut. So imitierte zum Beispiel eines unserer Programme die Futtersuche von Ameisen - wie Ameisen den kürzesten Weg zum Futter finden -, um Telefongespräche durch ein großes Anbieternetz zu dirigieren. Andere Programme ahmten das Verhalten von Termiten, ausschwärmenden Bienen und sich anpirschenden Löwen nach.
Es machte Spaß, und ich wäre wahrscheinlich immer noch dort, wenn ich nicht zusätzliche Aufgaben übernommen hätte.
