Nach einer Weile sagte seine Frau: »Was auch geschieht, ich werde kämpfen.«

»Hast du das nicht immer schon getan?«

Wie üblich dachte sie erst gründlich nach. »In den nächsten Tagen suche ich mir einen Anwalt. Er muß tüchtig sein, aber eher zurückhaltend. Ein übertriebenes Auftreten wäre nicht günstig.«

»So ist's recht.« Er drückte ihre Hand.

»Wirst du bei Gericht neben mir sitzen?« fragte sie lächelnd.

»Jeden Tag. Die Patienten müssen eben sehen, wie sie zurechtkommen, bis alles vorbei ist.«

»Das würdest du nie übers Herz bringen - aber ich hätte dich wirklich gern in meiner Nähe.«

»Es gibt schließlich auch noch andere Ärzte. Das läßt sich bestimmt arrangieren.«

»Und vielleicht«, sagte seine Frau, »vielleicht geschieht doch noch ein Wunder, wenn ich den richtigen Anwalt finde.« Andrew stocherte mit dem Messer in einer Portion Kaviar, die soeben serviert worden war. Mochten sie auch in Schwierigkeiten stecken, es bestand kein Grund, sich das hier entgehen zu lassen.

»Könnte durchaus sein«, sagte er und verteilte den Kaviar auf einer Scheibe Toast. »Es hat bei uns beiden mit einem Wunder angefangen. Und seitdem sind weitere Wunder geschehen. Warum sollte es also nicht auch diesmal eines geben - ganz speziell für dich?«

»Das wäre wirklich ein Wunder.«

»Und es wird geschehen«, versicherte er.

Andrew schloß die Augen. Der Sekt und die Flughöhe hatten ihn schläfrig gemacht. Und während er sich dem Gefühl der Müdigkeit überließ, erinnerte er sich an das erste Wunder.

Es war lange her.

TEIL EINS

1957-1963

1

»Ihre Frau wird sterben, John«, sagte Dr. Jordan leise. »Sie hat nur noch wenige Stunden zu leben.« Er sah in das blasse, gequälte Gesicht des schmächtigen jungen Mannes, der in seiner Arbeitskleidung vor ihm stand. »Ich wünschte, ich könnte Ihnen etwas anderes sagen. Aber ich dachte, Sie würden die Wahrheit hören wollen.«



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