Rita Mae Brown

Böse Zungen

Zum Gedenken an Johnny Holland 14. Juni 1983 - 02. Januar 1999

TEIL EINS

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Das Leben krempelt einen um. Egal, wo man anfängt, man en­det woanders, selbst wenn man zu Hause bleibt. Verlaß ist nur auf eins: Es ist immer eine Überraschung.

Die Schwestern Hunsenmeir krempelte das Leben nicht nur um, es stellte sie auf den Kopf und danach wieder auf die Füße. Vielleicht war es auch gar nicht das Leben, das sie herumwir­belte wie eine Achterbahn auf dem Rummelplatz. Sie brachten sich gegenseitig aus dem Tritt.

Der 7. April 1941 war ein strahlender Tag. Louises Tulpen schwankten im leichten Wind. Der Frühling hatte triumphalen Einzug gehalten in Runnymede, das direkt auf der Mason- Dixon-Grenze lag. Die Bewohner dieser hübschen, kleinen Stadt, die vor dem Unabhängigkeitskrieg um einen Platz herum erbaut worden war, waren ganz euphorisch, weil sich die Früh­lingswärme in diesem schicksalhaften Jahr früh eingestellt hat­te. Vermutlich ist jedes Jahr für den einen oder anderen schick­salhaft, doch es gibt Jahre, die allen Menschen im Gedächtnis bleiben. Am 7. April schien das Schicksal allerdings weit weg zu sein; es erschütterte die Länder jenseits des Atlantischen Ozeans.

Julia Ellen, genannt>Juts<, knallte bei ihrer Schwester Louise die Haustür zu. Sie spitzte die geschminkten Lippen und pfiff einmal tief, einmal hoch, wie ein Zeisig. Juts sagte immer Zwei­sig, weil der Pfiff aus zwei Tönen bestand.

Als sie keine Antwort bekam, pfiff Juts noch einmal. Schließ­lich rief sie: »Wheezer, zum Donnerwetter, wo steckst du denn?« Noch immer keine Antwort.

Juts hatte am 6. März ihren sechsunddreißigsten Geburtstag gefeiert. Sie hatte schon immer tonnenweise Energie besessen, doch beim Sturm durch ihre Dreißiger bekam sie noch mehr davon, so wie andere Leute Falten bekommen.



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