Die Einzige, die mit ihr Schritt halten konnte, war die vier Jahre ältere Louise; da Louise in Bezug auf ihr Geburtsdatum schamlos log,>verga­ßen< alle ihr genaues Alter, ausgenommen Juts, die sich diese Kenntnis für solche Gelegenheiten aufhob, da es einmal nötig werden sollte, ihre Schwester in die Schranken zu weisen. Ihre Mutter Cora kannte es auch, war aber viel zu gutmütig, um ihre ältere Tochter daran zu erinnern, die einen ausgewachsenen Koller gekriegt hatte, als sie vierzig geworden war. Dieses be­deutsame Ereignis war eben erst am 25. März begangen wor­den. Sogar Juts hatte sich erbarmt und auf der Geburtstagsfeier so getan, als sei Louise soeben neununddreißig geworden.

Beide Schwestern tosten durchs Leben, allerdings in verschie­denen Tonarten. Juts war eindeutig C-Dur, wogegen Louise, e- Moll, einem Anflug von Melancholie nie widerstehen konnte.

Juts drückte ihre Chesterfield in dem gläsernen Aschenbecher mit dem schmalen Silberrand aus.

»Louise!«, rief sie, als sie die Hintertür öffnete und hinaustrat.

»Ich bin hier oben«, rief Louise vom Dach herunter.

Julia reckte den Hals; die Sonne schien ihr in die Augen. »Was machst du da? Ach, was frag ich? Du singstNäher, mein Gott, zu dir.<«

»Wirst du wohl deinen gotteslästerlichen Mund halten!«

»Ja, ja, du wandelst auf dem Wasser. Eigentlich wollte ich dich zum Lunch bei Cadwalders einladen, aber wenn du so unausstehlich bist, bleib ich lieber allein.«

»Geh nicht.«

»Warum nicht?«

Louise zögerte. Es widerstrebte ihr sehr, ihre jüngere Schwe­ster um Hilfe zu bitten; denn sie würde es ihr irgendwann ver­gelten müssen, und zwar mit Sicherheit dann, wenn sie sich am allerwenigsten für einen Gefallen revanchieren wollte.

»Oh.« Julia bemühte sich, ihr Entzücken zu verbergen, als sie hinter den Forsythiensträuchern, einer Flut von blendendem Gelb, die schwere weiße Leiter erspähte. »Ach du meine Güte, Schwesterherz, das ist ja furchtbar.« Und machte Anstalten, sich zu entfernen.



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