»Klugschwätzerin.« Louise zog ein Gesicht, ging aber vom Gas.

»Geschwister streiten sich nun mal. Ich versteh gar nicht, warum alle auf uns herumhacken. Wir vertragen uns doch jedes Mal wieder.«

»Korrekt.« Louise hatte diesen Ausdruck in ihrem Lieblings­hörspiel aufgeschnappt, das das tapfere England verherrlichte. »Ja, haben wir, aber dieser neuralgische.«

Juts unterbrach sie. »Neurotische.«

»Du weißt, was ich meine, verbessere mich nicht, dieser fette Harper Wheeler hat zugesehen, daß sein Bild zwischen uns beide in die Zeitung kommt. Der wird doch bloß wieder ge­wählt, weil sonst keiner den Posten haben will. Nächstes Jahr tritt er wieder an.«

»Wir könnten als Sheriff kandidieren.«

Die Idee flackerte auf und erstarb. »Wir müßten Betrunkene aufgreifen, die uns den Rücksitz voll kotzen würden.«

Julia ließ ihre Idee fallen. »Wie wär's mit einem Blumenla­den?«

»Den haben sich die Biancas gesichert. Runnymede ist zu klein für zwei Blumenläden.«

Juts plumpste in ihren Sitz, als Louise die Kupplung erneut ruckeln ließ. »Bestimmt friert es wieder heute Nacht. Mir ist kalt«, jammerte Juts.

»Zieh dir die Decke um die Beine.« Louise klopfte auf die ka­rierte Decke, die ordentlich zusammengefaltet zwischen ihnen auf dem Sitz lag, und geriet dabei ins Schleudern.

Juts griff ins Steuer, worauf Louise es noch heftiger in die an­dere Richtung riß. »Paß auf, wo du hinfährst.«

»Hände weg!« Louise fing den großen Schlenker auf, ängstig­te jedoch eine entgegenkommende Fahrerin fast zu Tode.

»Frances Finster sah nicht wohl aus«, bemerkte Juts über die Fahrerin.

Sie fuhren schweigend über die holprigen Landstraßen west­lich der Stadt. Louise schwenkte wieder nach Osten; die langen roten Strahlen der sinkenden Sonne verliehen den wogenden Hügeln von Maryland eine melancholische Färbung.



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