
Julia brach das Schweigen. »Wir müssen etwas unternehmen, Louise. Sonst gehen unsere Männer in Rifes Rüstungsfabrik arbeiten.«
»Ich hab Pearlie gesagt, daß ich ihn verlasse, wenn er das tut.«
Julia stieß einen Pfiff aus. »So weit bin ja nicht mal ich gegangen.«
»Der 17. März 1917 scheint gar nicht so lange her. So ist es nun mal mit der Erinnerung.« Ehe es ihr bewußt wurde, war Louise zur Dead Man's Curve gefahren, einer gefährlichen Straßenbiegung, die jetzt im Sonnenuntergang blutrot aussah. Sie hielt den Ford an. Die Schwestern stiegen aus und spähten über den steilen Abhang, wo Aimes Rankin, der Geliebte ihrer Mutter, vor vielen Jahren zu Tode gekommen war; mit zertrümmertem Schädel war er in der Biegung den Hang hinunter geschleudert. Niemand glaubte an einen Motorradunfall. Aimes hatte versucht, in Rifes Rüstungsfabrik, die dank des Ersten Weltkriegs ein Bombengeschäft machte, eine Gewerkschaft zu gründen. Die Firma hatte sich im Bürgerkrieg etabliert, als der Gründer, Cassius Rife, der sich auf der Nordseite der Mason- Dixon-Grenze in Sicherheit wiegen konnte, lukrative Aufträge aus Washington an Land zog. Er wurde beschuldigt, Waffen in den Süden zu verschiffen. Da man ihm nichts nachweisen konnte, war es nie zu einer Anklage gekommen. Er war nicht der einzige Kriegsgewinnler, der sich an den Toten jenes grausigen Konflikts bereicherte, doch er war der Einzige, von dem allgemein vermutet wurde, daß er ein doppeltes Spiel gespielt hatte.
Julia schwankte über dem steilen Abhang, die kalte Luft schnitt ihr ins Gesicht. »Aimes fehlt mir.«
»Er war uns mehr ein Vater als unser eigener Vater.«
»Meinst du, wir sehen unseren Vater jemals wieder?«, fragte Juts wehmütig.
»Ich weiß es nicht, und es schert mich nicht«, antwortete Louise. Sie war damals alt genug gewesen, um sich an den Kummer ihrer Mutter zu erinnern, als Hansford John Hunsenmeir die Familie im Stich ließ.
