Julia vergalt Gleiches mit Gleichem. Vaughn trat unwillkür­lich einen Schritt zurück und flehte: »Meine Damen.«

»Hier gibt es nur eine Dame«, verkündete Louise würdevoll.

»Ja, und die ist vierzig Jahre alt.«

2

Licht schimmerte durch das Limoges-Porzellan. Es war so zart, daß es durchscheinend war. Jedes Stück - Tasse, Untertasse, Teller - hatte einen feinen roten Rand, der wiederum von einem dünnen Goldband eingefaßt war. Beides verschlang sich zu einem C fürChalfonte.

Celeste Chalfonte, eine schöne, eigenwillige Frau Mitte sech­zig, faltete die Leinenserviette auf ihrem Schoß auseinander. Ihr gegenüber tat Ramelle Chalfonte - ihre Geliebte seit neunund­dreißig Jahren und Ehefrau von Celestes Bruder Curtis - das­selbe.

Der Duft von Spiegeleiern, brutzelndem Speck und frischen Biskuits durchzog das Frühstückszimmer an der Ostseite des Hauses.

»Hast du denClarion?« Celeste meinte die Zeitung für den Süden von Runnymede.

»Nein«, antwortete Ramelle.

»DieTrumpet?« Diesmal war die Zeitung des nördlichen Yankee-Runnymede gemeint.

Ramelle schüttelte den Kopf. »Nein.«

Celeste läutete mit einem Silberglöckchen. Cora Hunsenmeir erschien. Sie war Ende fünfzig.

»Euer Hoheit.«

»Der Tag fängt ja gut an, hm?«, bemerkte Celeste. »Wo ist die Zeitung?«

Cora ging wortlos hinaus, kehrte zurück und legte Celeste die zusammengefaltete Zeitung zu ihrer Linken hin.

Als Celeste die Titelseite aufschlug, fiel ihr ein Foto von zwei vertrauten Gesichtern ins Auge. Zwischen Coras beiden Töch­tern stand Harper Wheeler, der Sheriff von Süd-Runnymede.

»Ach, du meine Güte.« Celeste holte Luft, dann zeigte sie Ramelle die Aufnahme. Sie richtete ihre hellen Augen auf Cora. »Warum hast du mir nichts davon erzählt?«



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