
POKERRUNDEN

KAPITEL 1
Die Bastarde arbeiteten mal wieder schlampig, und Azzie hatte es sich doch gerade bequem gemacht. Er hatte eine Position genau in der richtigen Entfernung zu dem feurigen Loch in der Mitte der Grube und den mit Rauhreif überzogenen Eisenwänden gefunden, die sie ringförmig umschlossen.
Die Wände wurden von der teufelseigenen Klimaanlage nahe dem absoluten Nullpunkt gehalten, während es in der Mitte der Grube heiß genug war, um Atome ihrer Elektronen zu berauben, und ab und zu kam es zu einem Hitzeschwall, der Protonen hätte schmelzen können.
Nicht, daß eine derartige Hitze oder Kälte überhaupt erforderlich gewesen wäre. Es war Overkill oder – zutreffender ausgedrückt – Überfolter. Nach kosmischen Maßstäben besitzen Menschen – selbst wenn sie tot sind und in die Grube geworfen werden – nur eine äußerst geringe Toleranzbreite, was Temperaturen betrifft. Sobald sie die Erträglichkeitszone in der einen oder anderen Richtung überschreiten, sind sie nicht mehr in der Lage, zwischen schrecklich und grauenhaft zu unterscheiden. Welchen Sinn macht es schon, so einen jämmerlichen Wurm einer Million Grad Celsius auszusetzen, wenn ihm lächerliche fünfhundert Grad die gleichen Schmerzen verursachen? Unter diesen Extremtemperaturen hatten nur die Dämonen und die anderen übernatürlichen Kreaturen zu leiden, die sich um die Verdammten kümmerten. Übernatürliche Wesen besitzen eine weitaus umfangreichere Gefühlsskala als Menschen, was für sie meistens zu großem Unbehagen führt. Manchmal auch zu exquisiter Lust, aber es ist unziemlich, in der Grube von Lust zu sprechen.
Natürlich gibt es in der Hölle mehr als nur eine Grube. Millionen und Abermillionen Menschen sind tot, und täglich kommen mehr dazu. Die meisten von ihnen müssen zumindest eine Weile in den Gruben verbringen. Es liegt auf der Hand, daß gewisse organisatorische Maßnahmen erforderlich sind, um sie alle unterbringen zu können.
