
Die Grube, in der Azzie Dienst tat, trug den Namen Nordpein 405. Sie gehörte zu den ältesten ihrer Art und war schon in babylonischen Zeiten in Dienst gestellt worden, als die Menschen noch gewußt hatten, wie man so richtig sündigt. Auf ihren Wänden waren noch immer die angerosteten Basreliefe geflügelter Löwen zu erkennen, und sie war im Höllenregister für Historisch Wertvolle Bauwerke verzeichnet. Aber es erfüllte Azzie nicht mit Stolz, in einer berühmten Grube Dienst zu tun. Er wollte nur herauskommen.
Wie alle Gruben bestand auch Nordpein 405 aus ringförmigen Eisenmauern, die eine gewaltige Müllkippe umschlossen. Ihr Zentrum bildete ein Loch, in dem ein außerordentlich heißes Feuer loderte, das glühende Schlacke und brennende Lava ausspie. Das Gleißen war erbarmungslos grell. Nur Volldämonen wie Azzie war es gestattet, eine Sonnenbrille zu tragen.
Die Qualen der Verdammten wurden von einer Geräuschkulisse begleitet und verstärkt, die man mit etwas Wohlwollen als Musik bezeichnen konnte. Hilfsteufel hatten inmitten eines verfilzten Gewirrs aus verfaulendem und verrottendem Unrat einen Halbkreis freigeräumt. Auf dieser freien Fläche saß auf Apfelsinenkisten ein Orchester, das aus völlig untalentierten Musikern bestand, die während des Musizierens ums Leben gekommen waren. Hier in der Hölle wurden sie gezwungen, die Werke der schlechtesten Komponisten zu spielen, die die Welt jemals gekannt hat. Auf der Erde sind ihre Namen längst in Vergessenheit geraten, in der Hölle jedoch, wo ihre Kompositionen ohne Unterbrechung gespielt und sogar auf Radio Kazum übertragen werden, sind sie berühmt.
Nicht weit davon waren die Hilfsteufel damit beschäftigt, die Verdammten auf ihren Grillrosten zu wenden und zurechtzulegen. Wie die Guhls mochten sie ihre Menschen am liebsten gut verwest und in einer Marinade angerichtet, deren Zutaten aus Essig, Knoblauch, Anchovis und Madensoße bestand.
