Bei großer Kälte bekommt man leider meistens sehr großen Hunger. Man denkt viel öfter als sonst an köstliche dampfende Fleischsuppen und heißen Apfelstrudel und andere gute Sachen, die einen von innen aufwärmen. Und meistens bekommen wir auch, was wir uns wünschen - und wissen gar nicht, wie gut es uns geht. Aber Charlie bekam niemals, was er sich wünschte. Seine Eltern waren dafür zu arm, und je länger die Kälte dauerte, um so hungriger wurde er. Die beiden Tafeln Schokolade - die vom Geburtstag und die zweite, die Großvater Josef gekauft hatte - waren längst aufgeknabbert, und Charlie bekam nur dreimal am Tag wäßrigen Kohl.

Dann wurde die wäßrige Kohlsuppe noch dünner, denn die Zahnpastafabrik machte plötzlich Pleite und mußte von einem Tag zum andern schließen. Natürlich versuchte Charlies Vater sofort, eine andere Arbeit zu finden, aber er hatte kein Glück. Er konnte sich nur mit Schneeschaufeln auf den Straßen ein bißchen Geld verdienen. Und das reichte nicht, um auch nur ein Viertel der Lebensmittel zu kaufen, die sieben Menschen brauchten. Die Lage war wirklich verzweifelt. Zum Frühstück gab es jetzt für jeden nur noch eine einzige Scheibe Brot und mittags oft nur eine gekochte Kartoffel. Wenn das so weiterging, würden sie am Ende wirklich verhungern.

Und jeden Tag mußte der kleine Charlie auf dem Weg zur Schule an Herrn Wonkas Schokoladenfabrik vorbei. Und jedesmal reckte er seine kleine, spitze Nase in die Luft und atmete den herrlichen Schokoladenduft tief ein. Manchmal blieb er ein paar Minuten lang regungslos vor dem großen eisernen Tor stehen und schluckte die gute Luft herunter, als könnte er davon satt werden. An einem eiskalten Morgen steckte Großvater Josef den Kopf unter der Decke hervor und sagte: «Das Kind muß mehr zu essen bekommen. Für uns Alte ist es nicht schlimm, wenn wir hungern müssen... Aber ein Junge, der noch wächst! So geht das nicht weiter! Er sieht schon klapperdürr aus!»



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