
«Wir können gar nichts tun», murmelte Großmutter Josefine unglücklich. «Er weigert sich, etwas von unserer Portion zu essen. Wie ich höre, wollte seine Mutter ihm heute morgen ihre Scheibe Brot auf den Teller legen, aber er hat das Brot nicht angerührt und darauf bestanden, daß sie es selber aß.»
«Es ist ein lieber kleiner Kerl, und er hat etwas Besseres verdient als dieses Leben», sagte Großvater Georg.
Das grausam kalte Wetter hielt an.
Charlie wurde jeden Tag magerer. Sein Gesicht war erschreckend blaß und spitz. Die Haut spannte sich so straff und durchsichtig über den Wangen, daß man die Form der Knochen darunter sah. Wenn das so weiterging, würde er bald krank werden und sogar in Lebensgefahr schweben.
Um seine Kräfte zu schonen, ging Charlie morgens zehn Minuten früher aus dem Haus, damit er langsam zur Schule gehen konnte und nicht rennen mußte. In den Pausen blieb er in der warmen Klasse sitzen und ruhte sich aus, während die anderen Kinder draußen herumtobten und Schneeballschlachten machten. Er bewegte sich nur noch ganz langsam und vorsichtig. Er war sonst zu schnell erschöpft.

Eines Nachmittags, als Charlie durch den eisigen Wind von der Schule nach Hause ging und der Hunger ihn schlimmer quälte als je zuvor, fiel sein Blick plötzlich auf ein Stück Papier, das im Rinnstein im Schnee lag. Das Papier war grünlich und kam Charlie irgendwie bekannt vor. Er trat vom Bürgersteig herunter und bückte sich, um es sich näher anzusehen. Es steckte halb im Schnee, aber Charlie sah trotzdem sofort, was es war... Es war eine Dollarnote!
Charlie sah sich schnell um.
Hatte jemand den Geldschein gerade verloren?
Nein, das war unmöglich, weil er ja halb im Schnee vergraben lag. Die Leute hasteten vorbei, die Hände in den
