
»Außerdem müssen die Leute im Grunde ihres Herzens überzeugt sein, dass sich die Geschichte auf eine bestimmte Weise zugetragen hat. Daran müssen sie wirklich tief und fest glauben«, ergänzte Dave. »Zum Beispiel die Pretty Lisa, die 1926 an den Felsen südlich von Dingle Nook auf Smack Island angeschwemmt wurde.«
»1927«, korrigierte Vince.
»Na gut, dann halt ’27, du Klugschwätzer, aber Teodore Riponeaux war noch an Bord, nur leider mausetot, und die anderen fünf waren verschwunden. Und obwohl es keine Blutspuren oder Anzeichen eines Kampfes gab, sind die Leute überzeugt, dass es Piraten waren. Man erzählt sich sogar, die Besatzung hätte eine Schatzkarte an Bord gehabt und vergrabenes Gold gefunden, aber der Schatz sei bewacht gewesen, sie hätten ihn nicht bekommen und so weiter und so fort.«
»Oder sie wären sich untereinander in die Haare geraten«, ergänzte Vince. »Das gehörte schon immer zu den beliebtesten Theorien über das Schicksal der Pretty Lisa. So ist es halt – manche Geschichten wollen erzählt und gehört werden. Hanratty war klug genug zu wissen, dass sein Redakteur diesen aufgewärmten Brei nicht annehmen würde.«
»Vielleicht in zehn Jahren noch mal«, vermutete Dave.
»Irgendwann ist alles Alte wieder neu. Das glaubst du vielleicht nicht, Steffi, aber es stimmt.«
»Doch, das glaube ich gerne«, sagte sie und dachte: Dieses Lied mit der Fähre, Tea for the Tillerman, von wem war das noch mal? Von Al Stewart oder Cat Stevens?
»Dann die Sache mit den Küstenlichtern«, fuhr Vince fort.
»Ich kann dir genau sagen, warum die Geschichte immer so beliebt war. Es existiert ein Foto. Es steckte wohl nichts anderes dahinter als die Lichter von Ellsworth, die von den niedrigen Wolken reflektiert wurden. So entstanden Kreise, die wie fliegende Untertassen aussahen. Jedenfalls steht unten im Bild die gesamte Kinderbaseballmannschaft von Hancock Lumber im Trikot und schaut in die Wolken.«
