
»Mein Gott, wie zynisch«, sagte Stephanie, nicht ohne jugendliche Bewunderung für diesen Charakterzug.
Vince zuckte mit seinen knochigen Schultern. »Ach, ich bin selbst ein Stereotyp, mein Mädchen, nur komme ich aus dem Film, wo der Zeitungstyp mit den Ärmelhaltern und dem Sonnenschild auf dem Kopf in der letzten Einstellung losschreit: ›Haltet die Presse an!‹ Ich will darauf hinaus, dass Johnny damals ein anderer Mensch war: gertenschlank und schnell wie ein Windhund. Er sah aus wie ein junger Gott, wenn man nicht auf seine schiefen Zähne achtete, aber die hat er sich ja inzwischen richten lassen.
Und sie in dieser kurzen roten Hose … sie war wirklich eine Göttin.« Er dachte nach. »Wie fast alle Mädchen von siebzehn Jahren.«
»Jetzt reiß dich mal zusammen mit deiner schmutzigen Phantasie!«, schimpfte Dave.
Vince tat gekränkt. »Die ist gar nicht schmutzig«, gab er zurück, »sondern rein wie die eines Engels.«
»Wenn du das sagst«, meinte Dave. »Ich gebe zu, dass Nancy toll aussah. Sie war zwei, drei Zentimeter größer als Johnny, vielleicht war das der Grund, weshalb sie sich im Frühjahr des letzten Schuljahres trennten. Aber damals, 1980, waren sie wie Pech und Schwefel. Jeden Tag liefen sie zur Fähre und dann in Tinnock den Bayview Hill hoch zur Schule. Es gab schon Wetten, wie lange es dauern würde, bis Nancy schwanger würde, aber es passierte nichts; entweder war er unglaublich anständig oder sie war unglaublich vorsichtig.« Dave hielt inne.
»Oder sie kannten sich einfach besser aus als die anderen Jugendlichen auf der Insel.«
»Ich glaube, es lag eher am Laufen«, meinte Vince voller Ernst.
»Schweift nicht vom Thema ab, ihr beiden!«, mahnte Stephanie und die Männer mussten lachen.
