
Nancy sagte: ›Hallo, schlafen Sie? Stehen Sie lieber auf!‹ Johnny Gravlin meinte: ›Der schläft nicht, Nancy, der ist auch nicht ohnmächtig. Der atmet gar nicht mehr.‹ Später sagte Nancy, dass sie es gewusst hätte, gesehen hätte, aber es nicht glauben wollte. Natürlich nicht, die Arme. Deshalb sagte sie: ›Kann sein. Aber vielleicht schläft er nur. Man kann nicht immer genau sehen, ob einer atmet. Schüttel ihn mal, Johnny, ob er nicht doch aufwacht.‹
Johnny wollte nicht, aber genauso wenig wollte er vor seiner Freundin als Feigling dastehen. Er beugte sich runter und rüttelte den Mann an der Schulter. Er musste sich richtig zusammenreißen, erzählte er mir Jahre später, als wir im Breakers ein paar Gläser zusammen tranken. Er meinte, er hätte es sofort gewusst, weil sich die Schulter nicht lebendig anfühlte, sondern wie aus Holz. Trotzdem schüttelte er den Mann und sagte: ›Wachen Sie auf, wachen Sie auf oder -‹ Er wollte eigentlich hinzufügen wollen Sie sich den Tod holen, fand dann aber, das klinge unter den gegebenen Umständen nicht so gut (vielleicht dachte er schon damals wie ein Politiker), deshalb fuhr er anders fort: ›Wollen Sie nichts frühstücken?‹
Er schüttelte den Mann zwei Mal. Zuerst passierte nichts. Beim zweiten Mal sackte der Kopf des Mannes auf die linke Schulter – Johnny hatte die rechte berührt –, und der Mann rutschte von der Mülltonne, die ihn gestützt hatte, auf die Seite. Der Kopf fiel in den Sand. Nancy schrie auf und lief, so schnell sie konnte, zurück zur Straße – und das war richtig schnell, kann ich dir sagen. Wenn sie da nicht stehen geblieben wäre, hätte Johnny ihr wohl bis zum Ende der Bay Street hinterherlaufen müssen, vielleicht sogar raus bis zum Ende von Anleger A. Aber sie blieb stehen, er kam zu ihr, legte den Arm um sie und sagte, er sei noch nie so froh gewesen, etwas Lebendiges im Arm zu halten. Er erzählte mir, er würde nie vergessen, dass sich die Schulter des Toten unter dem weißen Hemd wie Holz angefühlt hätte.«
