»Was ist?«, fragte Stephanie.

»Ein bisschen nah an faulen Schwarzen und sexbesessenen Franzosen, was?«, sagte Dave mit besonders starkem Akzent, jeden Vokal wie Kaugummi in die Länge ziehend. »Die stolze Yankeefrau, die keine Almosen nimmt.«

Stephanie hatte das Gefühl, im Sumpf der Pauschalvorstellungen zu versinken. »Ihr denkt also, dass sie es nehmen würde. Für ihre Kinder, vielleicht auch für sich selbst.«

»Der Mann, der uns das Mittagessen ausgegeben hat, kommt von weit her«, sagte Vince. »Für Helen Hafner haben Leute von weit her so viel Geld, dass sie sie damit sozusagen zusch … ähm, eindecken können.«

Erheitert über diese sprachliche Rücksichtnahme, sah sich Stephanie auf der Terrasse um und blickte dann durch die Glasscheibe in den Saal. Ihr fiel etwas auf: Viele, ja fast sämtliche Gäste draußen auf der Terrasse waren Ortsansässige, die Kellnerinnen ebenfalls. Drinnen saßen die Urlauber, die Sommerfrischler. Sie wurden von jüngeren Kellnerinnen bedient, hübscheren Mädchen vom Festland. Aushilfen. Da verstand Stephanie alles. Es war falsch gewesen, die Frage unter soziologischem Aspekt zu betrachten – es war viel einfacher.

»Die Kellnerinnen im Grey Gull teilen sich das Trinkgeld, stimmt’s?«, fragte sie. »Deshalb!«

Vince zeigte mit dem Finger auf sie. »Bingo!«

»Und was wollt ihr jetzt machen?«

»Es läuft wie folgt«, erklärte er. »Ich unterschreibe die Rechnung mit fünfzehn Prozent Trinkgeld. Dann stecke ich Helen vierzig Dollar vom Globe-Typen in die Tasche. Sie bekommt den ganzen Batzen, der Zeitung tut’s nicht weh, und was Onkel Sam nicht weiß, macht ihn nicht heiß.«

»So werden in Amerika Geschäfte gemacht«, sagte Dave feierlich.

»Und weißt du, was ich gut finde?«, fragte Vince Teague und hielt das Gesicht in die Sonne. Er kniff die Augen wegen des grellen Lichts zusammen, seine Haut legte sich in unzählige Falten. Sein wahres Alter war noch immer nicht zu erraten, aber wie achtzig sah er jetzt immerhin schon aus.



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