Vickys Charakter ließ sich aus solchen Fotos unmöglich erkennen, aber bei Greg konnte man es versuchen. Intelligent, selbstzufrieden, weil erfolgreich, wollte gefallen, lebensbejahend. Nicht der Typ, der hinter ihrem Rücken über andere herzog.

Letzte Gutenachtgrüße. Vicky bot mir ihre Wange zum Kuß. Bitte, gern.

»Unser Wagen steht da unten«, sagte sie und wies in die Ferne.

»Meiner da drüben«, sagte Fred, in die entgegengesetzte Richtung deutend.

Wir trennten uns, der Abend war vorbei.

»Sind nett, die Leute«, sagte Fred zufrieden.

»Ja«, stimmte ich zu.

Wir stiegen in seinen Wagen und schnallten uns pflichtbewußt an. Er ließ den Motor anspringen, schaltete das Licht ein, stieß rückwärts aus der Parklücke und schlug die Richtung zum Flughafen ein.

»Stopp!« rief ich plötzlich und riß an dem Verschluß des Sicherheitsgurts herum, der so leicht zugegangen war.

»Was?« Fred stellte den Fuß auf die Bremse, begriff

aber nichts. »Was zum Teufel ist denn los?«

Ich antwortete ihm nicht. Ich bekam endlich den blöden Gurt herunter, stieß die Tür auf und rannte fast schon los, noch ehe ich beide Füße auf dem Boden hatte.

Beim Herausfahren hatte ich im gleitenden Licht von Freds Scheinwerfern Vicky gesehen - das ferne Glitzern ihres paillettenbesetzten Kasacks -, und ich hatte gesehen, daß sie kämpfte, daß sie hinfiel, bedrängt von einer dunklen Gestalt, die sie halb verdeckte und sie angriff, eine Gestalt mit unverkennbar bösen Absichten ...

Ich rannte schneller und hörte sie gellend schreien.

Ich rief: »Vicky, Vicky«, um damit den Straßenräuber zu verscheuchen, doch er klebte an ihr wie eine Klette, vornübergebeugt, entschlossen, während sie am Boden lag und nach ihm trat.



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