Von Greg war nichts zu sehen.

Ich erreichte den Mann bei Vicky und rammte ihn aus vollem Lauf, um ihn in die Flucht zu schlagen. Er war robuster, als ich gedacht hatte, und so leicht nicht abzuschrecken, und er lief keineswegs vor mir weg, sondern schien mich lediglich als weiteres Opfer zu betrachten. Seine kräftige Faust schoß nach meinem Gesicht, ein Schlag, dem ich rein instinktiv auswich, und ich versuchte ihn bei den Kleidern zu fassen und gegen ein parkendes Auto zu werfen.

Ohne Erfolg. Sein nächster Schlag traf mich in den Brustkorb, daß mir die Luft wegblieb und daß ich meinte, er hätte mir das Herz ans Rückgrat gepinnt. Das Gesicht über den Fäusten war eine dunkle Fläche mit schmalen Augen: Er war kleiner als ich und stämmiger.

Ich drohte den Kampf zu verlieren, und das machte mich zwar wütend, aber auch nicht viel wehrhafter. Ich hatte es mit Feindseligkeit zu tun, dachte ich, nicht nur mit

Habgier. Hinter dem Überfall steckte Haß.

Vicky, die stöhnend davongekrochen war, kam plötzlich wie elektrisiert auf die Beine und trat hinter unseren Angreifer. Einen Moment lang sah ich ihre Augen über seiner Schulter, angstgeweitet und doch resolut. Sie zielte und versetzte ihm einen heftigen Fußtritt. Er zischte seinen Schmerz heraus, drehte sich nach ihr um und bekam einen ungezielten Tritt von mir, der ihn in die Kniekehle traf.

Vicky hielt ihre Hände mit den langen scharlachroten Nägeln vor sich, die Finger gekrümmt wie eine Hexe. Auf ihrem Kasack waren glänzende Blutspritzer. Ihr Mund war weit geöffnet, die Lippen aber vorgestülpt, so daß es in dem trüben Licht aussah wie das Zähnefletschen eines Wolfs, und sie stieß einen Schrei aus, der tief begann und sich zu einem lauten, hellen Kreischen irgendwo über dem hohen G steigerte.

Es ließ mir die Nackenhaare zu Berge stehen, und dem Dieb nahm es den Mut. Er stolperte einen Schritt an ihr vorbei, dann noch einen und verzog sich endlich in einem schwerfälligen Trott.



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