
»Schade«, sagte Greg.
»Nein«, widersprach ich, »es ist besser so. Wenn es keine festgefügte Hierarchie gibt, gibt es auch weniger Hickhack und weniger Verzweiflung.«
Sie sahen mich erstaunt an.
»Wohlgemerkt«, sagte Fred mit spöttischer Vertraulichkeit zu ihnen, »Peters Vater ist im Augenblick Botschafter. Zusammen haben sie schon jeden erdenklichen Rang bekleidet.«
»Aber ich immer die niedrigeren«, sagte ich lächelnd.
Vicky meinte tröstend: »Sie werden Ihren Weg schon machen.«
Fred lachte.
Greg schob sein halb ausgetrunkenes Glas Wein weg und sagte, sie müßten wieder an die Arbeit, ein Entschluß, den das aufnahmebereite Publikum mit Beifall begrüßte. Sie sangen beide noch drei Lieder; Greg brachte zum Abschluß eine leise, schnulzige Version von >The Last Farewell< dem
Klagelied eines Matrosen, der seinen Südseeschatz verläßt, um in die von Sturm und Krieg umtobten Breiten Großbritanniens zurückzukehren. Wenn man wie ich mit geschlossenen Augen zuhörte, konnte man glauben, Greg sei der dem Untergang geweihte junge Mann. Es war eine Meisterleistung, ganz außergewöhnlich. Eine Frau am Nebentisch zog ihr Taschentuch hervor und trocknete heimlich ein paar Tränen.
Die Gäste saßen wie gebannt vor ihrem längst kalt gewordenen Kaffee und zeichneten Greg damit aus, daß sie einen Augenblick vollkommen still waren, bevor sie ihre Begeisterung kundtaten. Das Ganze mochte sentimental sein, dachte ich, aber Sachlichkeit pur vertrug man schließlich auch nur begrenzt.
Das Duo kam unter begeistertem Applaus wieder an unseren Tisch, und diesmal sprachen sie dem Wein gern zu. Sie waren aufgedreht von der starken Adrenalinausschüttung, die auf jede Leistung, jeden gelungenen Auftritt gleich welcher Art folgt, und es würde eine Weile dauern, bis sie davon wieder herunterkamen. In der Zwischenzeit unterhielten sie sich angeregt, erzählten von sich und bewiesen erneut, wenn es eines Beweises noch bedurft hätte, daß sie durch und durch gute, wohlmeinende Menschen waren.
