Mich hatte das Gute immer schon mehr interessiert als das Böse, auch wenn ich damit vielleicht nicht so ganz im Trend lag. Meiner Ansicht nach brauchte man mehr Mut und mehr Disziplin, um gut zu sein, eine Auffassung, in der meine eigenen Mängel mich immer wieder bestärkten.

Eigentlich sei er ausgebildeter Opernsänger, sagte Greg, aber es habe nicht genügend Rollen für die zur Verfügung stehenden Sänger gegeben.

»Wenn man schon kein Italiener ist«, meinte er kläglich.

»Und von jeder Generation schaffen immer nur einige wenige den Durchbruch. Ich habe im Chor gesungen. Ich wäre lieber verhungert, als daß ich >The Last Farewell< gesungen hätte. In jungen Jahren war ich arrogant, was die Musik betrifft.« Mit einem Lächeln verzieh er sich seine Jugend. »Also habe ich eine Lehre in der Treuhandabteilung einer Bank angefangen, und irgendwann konnte ich mir dann sogar Karten für die Oper leisten.«

»Aber Sie haben doch weiter gesungen«, wandte ich ein. »So wie Sie kann man nur singen, wenn man in der Übung bleibt.«

Er nickte. »In Chören. Auch in Kirchen und so weiter. Wo immer ich konnte. Und natürlich in der Badewanne.«

Vicky hob die Augenwimpern zum Himmel.

»Jetzt singen die beiden hier zwei- bis dreimal die Woche«, erzählte mir Fred. »Der Laden würde ohne sie eingehen.«

»Pscht«, machte Vicky und hielt nach den möglicherweise gekränkten Besitzern Ausschau, konnte sie aber nicht entdecken.

»Wir tun das doch gern.«

Greg sagte, sie wollten für einen Monat nach England. Eine von Vickys Töchtern wolle heiraten.

Von Vickys Töchtern?



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