Am Broadway. Hast du das gehört, Mutter?

»Ich würde Sie gern zu einer Besetzungsprobe für -«

»Tut mir leid. Ich kann nicht.«

Er schaute sie überrascht an. »Das könnte Ihnen etliche Türen öffnen. Ich meine es ernst. Ich glaube, Sie sind sich gar nicht im klaren darüber, wie begabt Sie sind.«

»Ich habe einen Job.«

»Und was machen Sie, wenn ich fragen darf?«

»Ich arbeite bei einer Computerfirma.«

»Ich mache Ihnen einen Vorschlag. Egal, was Sie derzeit verdienen, ich biete Ihnen von Anfang an das Doppelte und -«

»Besten Dank«, erwiderte Toni, »aber ich . ich kann nicht.«

Zimmerman lehnte sich zurück. »Haben Sie etwa keine Lust, ins Showgeschäft einzusteigen?«

»Riesengroße sogar.«

»Und was hindert Sie daran?«

Toni zögerte. »Womöglich müßte ich mitten in der Tournee aussteigen«, wandte sie dann ein.

»Wegen Ihrem Mann oder -?«

»Ich bin nicht verheiratet.«

»Das verstehe ich nicht. Sie sagen, daß Sie Lust aufs Showgeschäft haben. Das hier wäre der ideale Einstieg für Sie -«

»Tut mir leid. Ich kann es nicht erklären.«

Er würde es nicht verstehen, auch wenn ich ’s ihm erklären würde, dachte Toni unglücklich. Keiner kapiert das. Weil es wie ein Fluch ist, mit dem ich leben muß. Für immer und ewig.

Ein paar Monate nachdem sie bei Global Computer Graphics angefangen hatte, lernte Toni das Internet kennen, den großen, weltumspannenden Treffpunkt, auf dem man jede Menge Männer kennenlernen konnte.

Sie saß mit Kathy Healy, einer Freundin, die bei einer Konkurrenzfirma arbeitete, beim Abendessen im Duke of Edinburgh. Das Restaurant war ein original englisches Pub, das man in seine Einzelteile zerlegt, in Kisten und Container verstaut und per Schiff nach Kalifornien verfrachtet hatte. Toni kam hierher, wenn sie Lust auf echte Londoner Fish & Chips, Rinderkamm mit Yorkshire-Pudding, Bratwürstchen mit Kartoffelpüree und Biskuittörtchen mit Sherry hatte. Mit einem Bein am Boden bleiben, sagte sie sich. Nicht vergessen, woher ich stamme.



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