
Ein Gewitter zog auf. Er spürte es. Am Horizont quellten dunkle Wolken, und es war schon den ganzen Tag über drückend schwül. MacNeil schaute zum Himmel empor und fluchte leise. Er hatte vorgehabt, das Fort von außen in Augenschein zu nehmen und dann die Nacht im Wald zu verbringen. Nun aber deutete alles darauf hin, dass es draußen sehr ungemütlich werden würde, und er hatte keine Lust, im Nassen zu liegen, wenn es ganz in der Nähe trockene Betten gab. Er und seine Leute hatten schon allzu lange bei schlechtem Wetter im Freien campiert.
Er reckte sich und straffte die Schultern. Nach all der Aufregung bei Hofe, die um die Grenzfeste entstanden war, hatte er sich diesen Außenposten eigentlich beeindruckender vorgestellt. Grund dieser Aufregung war, dass das Fort schon einen Monat lang nichts mehr von sich hatte hören lassen, weder durch Boten noch Brieftauben. Und von den Boten, die der König ausgeschickt hatte, war keiner zurückgekehrt. Alchimisten und Zauberer versuchten, über Gedanken mit dem Fort Kontakt aufzunehmen, doch irgendetwas verhinderte ihren Zugriff. Die Berichte, die ihm vorgetragen wurden, machten dem König immer größere Sorgen, denn das Fort lag an der Grenze zwischen Hagreich und dem benachbarten Herzogtum von Grundland. Der Grenzverlauf war immer schon strittig gewesen, und in dem Wirrwarr, das auf die lange Nacht folgte, hatte Grundland einige Versuche unternommen, den Streit ein für allemal zu seinen Gunsten zu entscheiden.
