
Doch auch seine Stunde kam. Die Liebe zu einer Frau, das älteste und mächtigste Gefühl des Menschen, packte ihn, als er zweiunddreißig Jahre alt war.
Anfangs erschrak er vor diesem neuen Gefühl, weil er dachte, die Liebe würde ihn hindern, das Ziel, das er sich gesteckt hatte, zu erreichen. Inzwischen hatte er eingesehen, daß die Gewißheit, auf der Erde einen liebenden Menschen zu haben, der auf deine Rückkehr wartet, die Kräfte verdreifacht, statt sie, wie er befürchtet hatte, zu schwächen.
Nie würde er Kamows Worte vergessen. Als Sergej Alexandrowitsch erfuhr, daß Melnikow seine Tochter liebte, aber besorgt war, die Liebe könne sich zum Schaden seiner Arbeit auswirken, hatte er gesagt: „Die richtige Frau schadet nie, im Gegenteil — sie hilft dem Mann bei all seinem Tun.“ Jetzt nach drei Jahren war Melnikow überzeugt, daß er die richtige Frau gewählt hatte. Olga billigte leidenschaftlich all seine Pläne, und die unvermeidlichen langen Trennungen schienen sie nicht im geringsten zu schrecken.
Sie hatten sich zufällig in einem Kurort kennengelernt, und Melnikow hatte sich zu ihr hingezogen gefühlt, ohne zu wissen, daß sie Kamows Tochter war. Olga schloß damals gerade ihr Studium am medizinischen Institut ab, und auch er hatte die Universität erst kurz zuvor verlassen. Sie fanden gemeinsamen Gesprächsstoff und stellten fest, daß sie einen ähnlichen Geschmack besaßen.
Olga wußte von Anfang an, mit wem sie das Schicksal hier zusammengeführt hatte, erwähnte aber mit keinem Wort, daß sie Kamows Tochter war. Sie wollte hören, wie Melnikow über ihren Vater sprach, auf den sie unsagbar stolz war. Sie überzeugte sich sehr bald davon, daß Kamow in dem Herzen des jungen Mannes Alleinherrscher war.
Olga zögerte lange, ehe sie ihm ihren Familiennamen nannte.
