
«Bitte spülen», gebot Mr Morley. Kritisch schaute er seinem Patienten in den Mund.
«So, das scheint in Ordnung zu sein. Schließen Sie bitte den Mund – langsam. Geht es ganz bequem? Sie spüren die Füllung gar nicht? Bitte nochmals öffnen. Nein, das scheint ganz in Ordnung.»
Das Tischchen schwang zurück, der Sessel drehte sich. Hercule Poirot kletterte herab, ein freier Mann.
«Also, auf Wiedersehen, Mr Poirot. Ich hoffe, Sie haben in meinem Haus keinen Verbrecher aufgespürt?»
Poirot sagte lächelnd: «Vorhin erschien mir jeder wie ein Verbrecher! Jetzt wird sich das vielleicht geändert haben.»
«Ah, ja – vor oder nach dem Zahnarzt: Das macht einen gewaltigen Unterschied! Obwohl wir die Leute heutzutage nicht mehr so quälen wie früher. Soll ich für Sie nach dem Aufzug klingeln?»
«Nein, nein, ich gehe zu Fuß.»
«Wie Sie wollen, der Aufzug ist gleich neben der Treppe.»
Poirot ging hinaus. Als er die Tür hinter sich schloss, hörte er, wie das Wasser im Waschbecken zu rauschen begann. Er ging die zwei Stockwerke hinunter. Vom letzten Treppenabsatz aus sah er, wie der angloindische Colonel zur Tür geführt wurde.
Der Mann sieht gar nicht so übel aus, dachte Poirot besänftigt. Vermutlich ein ausgezeichneter Schütze, der manchen Tiger erlegt hat. Ein brauchbarer Mann – eine regelrechte Stütze des Empire.
Er betrat das Wartezimmer, um Hut und Stock zu holen, die er dort gelassen hatte. Zu seinem Erstaunen war der unruhige junge Mann immer noch da. Ein weiterer Patient las den Field.
Poirots neuerwachte wohl wollende Stimmung veranlasste ihn, den jungen Mann näher zu betrachten. Er sah immer noch so wild aus, als wolle er einen Mord begehen – aber nicht eigentlich wie ein Mörder, dachte Poirot freundlich. In kurzer Zeit würde dieser junge Mann nach überstandener Folter zweifellos mit vergnügtem Lächeln die Treppe hinabspringen und niemandem etwas Böses wünschen.
