Der Boy kam herein und sagte klar und deutlich: «Mr Blunt.»

Der Mann, der am Tisch saß, legte den Field hin und stand auf. Mittelgroß, in mittleren Jahren, weder dick noch mager. Gut angezogen, ruhig. Er verließ hinter dem Boy das Zimmer.

Einer der reichsten und mächtigsten Männer Englands – und doch musste er wie jeder gewöhnliche Mensch zum Zahnarzt gehen und dort dieselben Seelenqualen durchmachen wie jeder andere!

Dieser Gedanke schoss Poirot durch den Kopf, während er Hut und Stock nahm und zur Tür ging. Auf der Schwelle sah er sich noch einmal um und erschrak: Der junge Mann musste in der Tat sehr böse Zahnschmerzen haben!

In der Halle blieb Poirot einen Augenblick vor dem Spiegel stehen, um seinen Schnurrbart in Ordnung zu bringen, der durch Mr Morleys Bemühungen leicht durcheinander geraten war.

Eben hatte er das Werk zu seiner Zufriedenheit vollendet, als der Lift wieder herunterkam und der Boy unter misstönendem Pfeifen aus dem hinteren Teil der Halle auftauchte. Beim Anblick Poirots brach er seine musikalische Darbietung abrupt ab und kam nach vorn, um ihm die Haustür zu öffnen.

In diesem Augenblick fuhr ein Taxi vor, die Tür öffnete sich, und ein weiblicher Fuß wurde sichtbar. Poirot betrachtete den Fuß mit galantem Interesse. Eine schmale Fessel, ein Strumpf von recht guter Qualität. Gar kein schlechter Fuß. Aber der Schuh gefiel ihm nicht. Ein nagelneuer Lackschuh mit einer großen, blitzenden Schnalle. Er schüttelte den Kopf.

Nicht schick – geradezu provinziell!

Als die Dame aus dem Taxi stieg, blieb sie mit dem andern Fuß an der Tür hängen und riss sich dabei die Schnalle ab, die klirrend aufs Pflaster fiel. Ritterlich sprang Poirot hinzu, hob die Schnalle auf und überreichte sie der Eigentümerin mit einer Verbeugung.

O weh! Eher fünfzig als vierzig. Zwicker auf der Nase. Unordentliches, gelblichgraues Haar – ein Kleid, das ihr nicht stand: ein scheußliches, niederdrückendes Grün! Sie dankte ihm: Der Zwicker fiel zu Boden, die Tasche folgte. Poirot, höflich wie immer, wenn auch nicht mehr galant, hob beides auf. Sie ging die Stufen zum Haus Queen Charlotte Street 58 hinauf, und Poirot wandte sich an den Chauffeur, der mürrisch sein mageres Trinkgeld betrachtete. «Sie sind frei, was?»



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