
«Ich werde Ihnen sagen, was ich immer beobachtet habe, Mr Poirot. Die großen Leute, die bedeutenden Leute, halten sich immer genau an die Zeit – lassen einen niemals warten. Fürstlichkeiten zum Beispiel. Äußerst pünktlich. Und mit den großen Geschäftsleuten ist es ebenso. Gerade heute Vormittag kommt ein sehr wichtiger Mann zu mir – Alistair Blunt!»
Mr Morley betonte den Namen mit triumphierendem Klang.
Poirot, der durch mehrere Watteröllchen und ein unter seiner Zunge glucksendes Glasröhrchen am Sprechen gehindert war, gab ein unbestimmtes Geräusch von sich.
Alistair Blunt! Solche Namen waren es, die einen heutzutage erschauern ließen! Nicht Herzöge, Grafen oder Ministerpräsidenten – nein, Alistair Blunt. Ein Mann, dessen Gesicht dem großen Publikum fast unbekannt war, dessen Name nur in einer gelegentlichen kleinen Zeitungsnotiz auftauchte. Keineswegs eine auffallende Erscheinung. Bloß ein stiller, äußerlich durch nichts bemerkenswerter Engländer, der an der Spitze der größten englischen Bankfirma stand.
Ein Mann von ungeheurem Reichtum, ein Mann, dessen Wort Regierungen bildete und stürzte und der doch nur ein ruhiges, bescheidenes Leben führte, der niemals öffentlich auftrat oder Reden hielt. Und doch ein Mann, in dessen Händen höchste Macht lag…
Mr Morleys Stimme klang immer noch ehrfürchtig, als er sich über Poirot beugte und die Füllung in den Zahn presste.
«Kommt zu seinen Sitzungen immer pünktlich auf die Minute. Schickt seinen Wagen oft weg und geht zu Fuß ins Büro zurück. Netter, stiller, anspruchsloser Mensch. Spielt gern Golf und interessiert sich sehr für seinen Garten. Man käme nie auf die Idee, dass der Mann halb Europa aufkaufen könnte, ein ganz einfacher Mensch wie Sie und ich.»
Bei dieser unüberlegten Personenverbindung stieg ein plötzlicher Groll in Poirot auf. Zugegeben, Mr Morley war ein guter Zahnarzt; aber es gab noch andere gute Zahnärzte in London. Es gab jedoch nur einen Hercule Poirot.
