Jetzt sagte sie schüchtern: «Aber ich habe wirklich überhaupt keine Schmerzen mehr.»

«Unsinn. Sie haben mir doch erzählt, dass Sie in der Nacht kein Auge schließen konnten.»

«Ja, das stimmt – das stimmt wirklich – aber vielleicht ist der Nerv jetzt tatsächlich tot.»

«Ein Grund mehr, um zum Zahnarzt zu gehen», erklärte Mrs Bolitho energisch. «Wir schieben es alle gern hinaus, aber das ist bloß Feigheit. Besser, man gibt sich einen Ruck und hat es dann hinter sich.»

Miss Sainsbury Seale setzte zu einer Antwort an. Vielleicht wollte sie rebellisch murmeln: «Ja, aber es ist schließlich nicht Ihr Zahn!» Sie sagte jedoch nur: «Wahrscheinlich haben Sie Recht. Und Mr Morley ist ja auch so vorsichtig und tut einem überhaupt nicht weh.»

Die Sitzung des Verwaltungsrats war vorüber. Alles war glatt gelaufen. Der Geschäftsbericht war glänzend. Kein Misston wäre am Platz gewesen. Und doch hatte Samuel Rotherstein, der eine Art sechsten Sinn für so etwas besaß, Derartiges empfunden: eine winzige Nuance im Auftreten des Präsidenten.

Einige Male hatte seine Stimme eine Schärfe angenommen, die durch den Verlauf der Sitzung keineswegs gerechtfertigt war.

Vielleicht irgendein geheimer Kummer? Allerdings war Rotherstein nicht imstande, die Vorstellung eines geheimen Kummers mit Alistair Blunt in Verbindung zu bringen. Dazu war der Mann zu leidenschaftslos. Er war so normal – so vollkommen britisch.

Natürlich konnte es die Leber sein. Auch Mr Rotherstein hatte von Zeit zu Zeit Leberbeschwerden. Aber Alistair hatte noch niemals über seine Leber geklagt. Seine Gesundheit war ebenso unerschütterlich wie seine Nerven und sein finanzielles Geschick. Und doch – irgendetwas war da: Ein- oder zweimal hatte sich der Präsident mit der Hand ans Gesicht gegriffen. Er hatte im Sitzen das Kinn aufgestützt, eine für ihn ungewöhnliche Haltung. Und ein paarmal hatte er – ja, man musste schon sagen – zerstreut ausgesehen.



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