Er entdeckte leichte Mädchen, die nicht gutherzig waren, Feldwebel, denen Brutalität widerstrebte, reiche Männer, die kein Geld für wohltätige Zwecke spendeten, Iren, die nur ungern rauften, Griechen, die noch nie ein Schiff gesehen hatten, Franzosen, denen der Sinn für Logik abging. Die meisten Menschen schienen ein erfülltes, aufregendes Leben zu führen, wurden heute von unbezähmbaren Leidenschaften überwältigt, fielen morgen in seltsame Untätigkeit, sagten das eine, taten das andere, empörten sich gegen ihre Umwelt, sprengten ihre Fesseln, stürzten Psychologen und Soziologen in Verwirrung, brachten Psychoanalytiker zur Verzweiflung.

Aber diese Herrlichkeiten blieben Crompton versagt. Um eines gesunden Verstandes willen hatten ihm die Ärzte alles genommen, was an ihm vielschichtig, kompliziert war.

Crompton traf mit der fluchenswürdigen Regelmäßigkeit eines Roboters jeden Arbeitstag Punkt neun Uhr an seinem Schreibtisch ein. Um fünf Uhr nachmittags legte er die Akten säuberlich beiseite und kehrte in sein möbliertes Zimmer zurück. Dort verzehrte er appetitlos seine Reformnahrung, legte drei Patiencen, löste ein Kreuzworträtsel und verfügte sich anschließend in sein schmales Bett. Jeden Samstagabend seines Lebens sah sich Crompton einen Film an, belästigt von fröhlichen, zu allem Unfug fähigen jungen Leuten. Die Sonntage und der Urlaub wurden dem Studium der Geometrie Euklids gewidmet, denn Crompton glaubte an den Selbstunterricht. Und einmal im Monat schlich Crompton zu einem Zeitungskiosk und erstand ein Magazin unanständigen Inhalts. In der Zurückgezogenheit seines Zimmers verschlang er ihn, um dann in einer Orgie von Selbsthaß das abscheuliche Produkt zu zerfetzen.

Crompton wußte natürlich, daß man ihn in seinem eigenen Interesse zu einem Stereotyp gemacht hatte.



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