»Wie sehe ich aus?«

»Furchtbar.«

»Vielen Dank.«

»Wahrscheinlich bleiben ein paar Narben zurück«, fügte das Einhorn hilfreich hinzu.

»Großartig. Genau das, was ich brauche.«

»Heißt es nicht, dass Narben im Gesicht der Schmuck des wahren Helden sind?«

»Wer immer diesen Blödsinn verzapft hat, sollte sich mal auf seinen Geisteszustand untersuchen lassen. Diese verdammten Barden… Hilf mir auf die Beine, Einhorn!«

Das Einhorn trabte rasch neben ihn. Rupert umklammerte den Steigbügel und zog sich schwerfällig aus dem Dreck. Das Einhorn blieb geduldig stehen, während Rupert erschöpft an seiner Flanke lehnte, in der Hoffnung, seine Schmerzen würden wenigstens so weit nachlassen, dass er sich in den Sattel schwingen konnte.

Das Einhorn beobachtete ihn besorgt. Prinz Rupert war ein hoch gewachsener, gut aussehender Jüngling Mitte zwanzig, aber das Blut, die Schmerzen und die Erschöpfung machten ihn um zwanzig Jahre älter. Seine Haut war grau und schweißbedeckt, seine Augen glänzten fiebrig. Er befand sich ganz offensichtlich nicht in der Verfassung, weiterzureiten, aber das Einhorn wusste, dass Ruperts Stolz ihn zwingen würde, es zumindest zu versuchen.

»Rupert…«, begann das Einhorn.

»Ja?«

»Warum… führst du mich nicht eine Weile am Zügel? Du weißt, wie leicht ich in diesem Schlamm ausrutsche.«

»In Ordnung«, sagte Rupert. »Ich mache das.«

Er nahm müde den Zügel und marschierte mit hängendem Kopf los. Langsam und mit Bedacht führte ihn das Einhorn an dem reglosen Kokon vorbei und den Pfad entlang, der immer tiefer in den Schlingpflanzenwald vordrang.

Zwei Tage später saß Rupert wieder im Sattel und näherte sich rasch der Grenze zwischen Schlingpflanzen- und Dunkelwald. Seine Schmerzen waren dank eines Beutels mit Heilkräutern, den ihm der Hofastrologe vor Antritt seiner Reise aufgenötigt hatte, so gut wie ausgestanden, und obwohl er mehr als einmal bedauerte, keinen Spiegel zu besitzen, hatte er das Gefühl, dass der Schorf über den Gesichtswunden ordentlich abheilte. Alles in allem hatte sich Ruperts Stimmung beträchtlich aufgehellt – oder war zumindest nicht mehr so rabenschwarz wie nach dem Kampf.



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