Er streifte die Handschuhe ab und untersuchte mit bloßen Fingern vorsichtig die Verletzungen im Gesicht. Breite, tiefe Risse verliefen vom äußeren Augenwinkel bis zum Mund.

Die musst du auswaschen, dachte er halb betäubt, sonst riskierst du eine Inf ektion! Er schüttelte den Kopf und sah sich um. Während des Kampfes hatte es zwar zu regnen aufgehört, aber die Sonne senkte sich bereits dem Horizont entgegen, und die Schatten nahmen zu. Die Nächte brachen in jüngster Zeit immer früher herein, und das zu Beginn des Sommers.

Von den überhängenden Ästen fielen unentwegt Tropfen, und ein dumpfer, fauliger Geruch hing in der unbewegten Luft.

Rupert betrachtete den Kokon und begann plötzlich zu frösteln, als ihm in den Sinn kam, dass er sich mit dem Schwert einen Weg durch das Gespinst hatte bahnen wollen. Raubtiere gab es in vielerlei Gestalt, besonders im Schlingpflanzenwald.

Er seufzte ergeben. Müde oder nicht, er musste seinen Weg fortsetzen.

»Einhorn! Wo bist du?«

»Hier«, ertönte eine höfliche Stimme aus den tiefsten Schatten.

»Kommst du jetzt endlich heraus oder muss ich dich erst holen?«, knurrte der Prinz. Nach kurzem Zögern erschien das Einhorn zaghaft auf dem schmalen Pfad. Rupert starrte es so wütend an, dass es den Blick senkte.

»Wo warst du, als ich Kopf und Kragen im Kampf mit dem Dämon riskierte?«

»Im Gebüsch versteckt«, entgegnete das Einhorn. »Das erschien mir das einzig Logische.«

»Und warum hast du mir nicht geholfen?«

»Weil ich mir dachte, dass dir mit meiner Hilfe wenig gedient wäre, wenn du mit Schwert und voller Rüstung nichts gegen den Dämon ausrichten könntest«, sagte das Einhorn ruhig.

Rupert seufzte. Irgendwann würde er lernen, dass es keinen Sinn hatte, mit dem Einhorn zu diskutieren.



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