Nach kurzem Überlegen beschloss er, wenigstens die eisengenieteten Stiefel zu behalten; vielleicht bekam er ja Gelegenheit, jemandem einen Tritt zu versetzen. Mit Lederwams, Reithose und seinem besten Umhang angetan, fühlte sich Rupert zum ersten Mal seit Wochen bequem. Zugegeben, er fühlte sich auch verwundbar, aber wenn er bedachte, wie viel Pech er in jüngster Zeit gehabt hatte, wäre das Ding wohl irgendwann eingerostet und hätte ihn eingesperrt bis zum qualvollen Hungertod.

»Ich hasse Gras«, sagte das Einhorn mürrisch.

»Warum frisst du es dann?«, fragte Rupert, während er sein Schwert umschnallte.

»Weil ich hungrig bin.« Das Einhorn kaute angewidert.

»Und da wir schon seit Wochen kein anständiges Futter mehr haben…«

»Was stört dich an Gras?«, erkundigte sich Rupert sanft.

»Pferde fressen es ständig.«

»Ich bin kein Pferd!«

»Das habe ich nie behauptet…«

»Ich bin ein Einhorn, absolut reinrassig, und habe Anspruch darauf, ordentlich versorgt zu werden. Mit Hafer und Gerste und…«

»Im Schlingpflanzenwald?«

»Ich hasse Gras«, murmelte das Einhorn. »Das Zeug bläht so.«

»Versuch's mal mit einer Hand voll Disteln«, schlug Rupert vor.

Das Einhorn warf ihm einen empörten Blick zu. »Habe ich auch nur entfernte Ähnlichkeit mit einem Esel?«, fragte es drohend.

Rupert drehte den Kopf zur Seite, um sein Grinsen zu verbergen, und entdeckte ein Dutzend Kobolde, die lautlos aus den Schatten traten und ihm den Weg versperrten. Sie waren etwa einen Meter groß, dürr wie Vogelscheuchen, spitzohrig und mit kurzen rostzerfressenen Schwertern und schartigen Hackebeilen bewehrt. Ihre unförmigen Bronze- und Silberrüstungen hatten sie offensichtlich von Rittern auf der Durchreise erbeutet, und ihr hässliches Grinsen verriet nur zu deutlich, was sie mit den Vorbesitzern angestellt hatten. Wütend dar­



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