
»Rupert«, sagte das Einhorn leise.
»Wir werden beobachtet, stimmt's?«
»Ja.«
Rupert runzelte die Stirn und umklammerte das Schwert.
Etwas folgte ihnen, seit sie bei Tagesanbruch den Schlingpflanzenwald betreten hatten, etwas, das sich in den Schatten verbarg und nicht ans Licht wagte. Rupert verlagerte vorsichtig das Gewicht, um sich mit dem Boden unter seinen Füßen vertraut zu machen. Wenn es zu einem Kampf käme, würde der zähe Schlamm sicher zu einem Problem. Er nahm den Helm ab und legte ihn am Wegrand nieder; die Augenschlitze engten sein Gesichtsfeld zu stark ein. Als er sich wieder aufrichtete, schaute er beiläufig über die Schulter und erstarrte, als er ein schmächtiges, missgestaltetes Wesen von einem Baum zum anderen huschen sah. Obwohl es etwa so groß wie ein Mensch war, bewegte es sich nicht wie ein Mensch, und ehe es wieder mit den Schatten verschmolz, reflektierte das Licht von seinen Fängen und Klauen. Regen trommelte auf Ruperts Kopf und lief ihm über das Gesicht, während sich in seinem Innern das kalte Grauen ausbreitete.
Jenseits des Schlingpflanzenwaldes lag die Finsternis. So lange man sich zurückerinnerte, hatte in einem Teil des Waldes ewige Nacht geherrscht. Kein Sonnenstrahl durchdrang dieses Gebiet, und was immer dort hauste, scheute das Licht des Tages. Die Kartenmacher nannten die Region Dunkelwald und warnten: Achtung, Dämonen! Seit undenklichen Zeiten bestand zwischen Waldkönigreich und Dunkelwald die Barriere des Schlingpflanzenwaldes, eines unheimlichen Gewirrs aus Sümpfen, Dorngestrüppen und anderen Gefahren, dem bislang nur wenige Menschen lebend entronnen waren.
