Lautlose Raubtiere umschlichen die von Unkraut und Schlinggewächsen überwucherten Pfade und lauerten leichtsinnigen Wanderern auf. In den letzten Monaten waren jedoch immer öfter fremdartige Wesen in das Waldkönigreich eingedrungen, undeutliche Gestalten, die das Tageslicht mieden. Manchmal, wenn die Sonne ganz hinter dem Horizont versunken war, hörten die Bewohner einsamer Gehöfte ein Kratzen an ihren fest verriegelten Türen und Fensterläden und fanden am nächsten Morgen tiefe Rillen im Holz und verstümmelte Tiere in den Ställen.

Der Schlingpflanzenwald war keine sichere Barriere mehr.

Achtung, Dämonen!

Rupert verdrängte seine Furcht und umfasste das Schwert fester. Das solide Gewicht des Stahls beruhigte ihn, und er ließ die blitzende Klinge vor sich auf und nieder sausen.

Dann warf er einen finsteren Blick auf die dunklen Wolken, die den Himmel bedeckten; ein anständiger Sonnenstrahl hätte das Ding sofort in die Flucht getrieben, aber wie immer klebte Rupert das Pech an den Fersen.

Es ist doch nur ein Dämon, dachte er grimmig. Ich stecke von Kopf bis Fuß in einer Rüstung und weiß mit dem Schwert umzugehen. Dieser Dämon kann mir nichts anhaben!

»Einhorn«, sagte er ruhig, während er in die Schatten starrte, wo er den Dämon zuletzt gesehen hatte, »du versteckst dich am besten hinter einem Baum und hältst dich vom Kampfgetümmel fern! Ich will nicht, dass dir etwas zustößt.«

»Schon geschehen!«, entgegnete eine gedämpfte Stimme.

Rupert drehte sich um und entdeckte das Einhorn in beträchtlicher Entfernung hinter einem dicken Baumstamm.

»Nett von dir«, sagte Rupert. »Und was ist, wenn ich deine Hilfe brauche?«

»Dann hast du ein Problem«, erklärte das Einhorn entschieden, »denn ich denke nicht daran, mich von der Stelle zu rühren. Ich erkenne jeden Dämon von weitem am Geruch.



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