
»Ja.«
»Wie war der Flug?«
»Sehr schön. Ich habe auch schon alle Kollegen kennengelernt.«
»Sicher haben sie sich gefreut, daß du dabei bist.«
»Ja, sicher«, sagte Eddie.
»Hast du eigentlich eine große Rolle in dem Stück?«
Er wollte ihr nicht sagen, daß er tatsächlich nur ein paar Zeilen Text hatte. »Es ist eine sehr wichtige Rolle«, log er deshalb.
»Ich bin so stolz auf dich. Wie geht eure Tournee weiter?«
»Nun, wir spielen hier eine Woche lang, dann reisen wir weiter nach Chile und dann nach Kolumbien und Ecuador. Ich schicke dir noch den ganzen Reiseplan.«
Was Eddie zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht wissen konnte, war, daß er nie an allen diesen anderen Orten ankommen sollte.
Die My Fair Lady-Truppe versammelte sich am nächsten Morgen zur ersten Probe im Bolivar-Theater. Außer Eddie Davis hatten sie alle schon zuvor das Stück gespielt, so daß es keine Probleme bei der Probe gab. Die erste Vorstellung sollte am Abend sein.
Colonel Bolivar ging niemals ins Theater. Dafür versäumte Capitan Torres keine einzige Premiere. Er suchte sich dabei immer gerne die hübschen Mädchen aus dem Chor oder der Statisterie aus, die er dann in eine Hotel-Suite einlud, die stets für ihn bereitstand. Es gab keine, die es gewagt hätte, eine solche Einladung auszuschlagen.
Nun hatte er zwar seiner Frau versprochen, sie zur Premiere von My Fair Lady mitzunehmen, ging dann aber doch mit einer seiner Geliebten hin.
Er saß im Publikum und sah der Vorstellung zu, war jedoch innerlich ruhelos und nervös. Er mußte über das Problem des Diktators Colonel Bolivar nachdenken. Wurde Bolivar gestürzt, dann war es auch mit ihm vorbei. Und er hatte keinen Zweifel daran, daß bei einem Umsturz nicht nur zuerst Bolivar umgebracht würde, sondern gleich danach auch er. Es war eine böse Situation. Deshalb interessierte ihn auch, was gerade auf der Bühne vorging, nicht so übermäßig.
