Ein paar Minuten antwortete der andere nicht. Er ließ die Zeitung fallen, schritt zum Fenster und wieder zurück. Jimmy beobachtete ihn mit wachsendem Staunen.

Luke ließ sich in einen Sessel sinken und beugte sich vor. «Jimmy, alter Junge, erinnerst du dich, dass ich – an meinem ersten Tag hier – eine alte Dame erwähnte, mit der ich im Zug nach London gefahren bin?»

«Die dich an deine Tante Mildred erinnerte? Und dann von einem Auto überfahren wurde?»

«Genau die. Hör mal zu, Jimmy. Die alte Dame erzählte eine lange Geschichte, dass sie zu Scotland Yard gehen wolle, um über eine Menge Morde zu berichten. In ihrem Ort sei ein Mörder los – darauf lief es hinaus; und er hat rasche Arbeit geleistet.»

«Du hast mir nicht erzählt, dass sie übergeschnappt war», bemerkte Jimmy trocken.

«Das habe ich auch nicht gedacht.»

«Na, hör mal, alter Junge, Mord en gros – »

Luke unterbrach ihn ungeduldig:

«Ich hielt sie nicht für verrückt. Ich dachte, sie ließe ihrer Phantasie nur etwas zu freien Lauf, wie das bei alten Damen manchmal vorkommt.»

«Nun ja, das könnte ja auch gewesen sein. Aber wahrscheinlich war doch eine Schraube locker bei ihr, denke ich.»

«Es handelt sich nicht darum, was du denkst, Jimmy; hör mir jetzt lieber zu!»

«Ja, schon gut – weiter!»

«Sie wurde sehr ausführlich, erwähnte ein oder zwei Opfer mit Namen und erklärte dann, was sie am meisten beunruhige, sei die Tatsache, dass sie wisse, wer das nächste Opfer sein werde.»

«Ja?» sagte Jimmy aufmunternd.

«Ich habe mir den Namen gemerkt – Dr. Humbleby. Die alte Dame sagte, Dr. Humbleby würde der nächste sein, und sie war sehr unglücklich darüber, weil er ‹ein so guter Mensch› sei.»

«Nun, und?» sagte Jimmy.

«Schau dir das an.»

Luke reichte ihm die Zeitung und wies auf eine Notiz unter Todesfällen.

«Humbleby. – Am 13. Mai starb plötzlich auf seinem Wohnsitz Sandgate, Wychwood under Ashe, John Edward Humbleby, geliebter Gatte von Jessie Rose Humbleby. Begräbnis Freitag. Bitte keine Blumen.»



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