
„Ich habe zwischen Ihren stummen Dienern schon fast das Sprechen verlernt, Doktor“, antwortete Christo.
„Um so besser, Schweigen ist Gold. Du wirst viele goldene Pesetas bekommen, wenn du schweigst. Ich hoffe, daß ich den kranken Diener in zwei Wochen wieder geheilt habe. Übrigens: Kennst du dich in den Anden aus?“
„Ich bin im Gebirge geboren.“
„Ausgezeichnet. Für meinen Tiergarten benötige ich neue Tiere und Vögel. Ich werde dich mitnehmen. Aber jetzt geh, Jim begleitet dich in den unteren Garten.“
Christo hatte sich schon an vieles gewöhnt, aber was er im unteren Garten zu sehen bekam, übertraf alle seine Erwartungen.
Auf einer großen, hell von der Sonne bestrahlten Wiese tummelten sich miteinander nackte Kinder und Affen. Die kleinsten Kinder waren nicht älter als drei Jahre, Diese Indio-Sprößlinge waren Salvators Patienten. Vielen sah man an, daß sie schwere Operationen überstanden hatten und ihr Leben Salvators ärztlicher Kunst verdankten. Die genesenden Kinder lebten in diesem Garten, bis sie, ganz wieder hergestellt, zu ihren Eltern nach Hause entlassen werden konnten.
Unter den Kindern lebten die Affen. Sie waren schwanzlos und gänzlich unbehaart. Und das erstaunlichste: Alle Affen konnten sprechen, die einen besser, die anderen weniger gut. Sie vertrugen sich gut mit den Kindern, zankten sich zwar, winselten mit ihren dünnen Stimmchen, aber sie stritten sich mit den Kindern nicht mehr als diese untereinander. Die Menschen- und die Affenkinder sahen sich so ähnlich, daß Christo sie mitunter nicht unterscheiden konnte.
Christo stellte bald fest, daß dieser Garten kleiner war als der obere, noch steiler zur Bucht abfiel und von einer senkrechten Felswand abgeschlossen wurde. Der Felsen mochte wohl direkt ins Meer ragen, denn dahinter erschallte laut die tosende Brandung. Christo untersuchte den Felsen bald genauer und stellte fest, daß es kein gewachsener Stein, sondern eine täuschend nachgeahmte künstliche Mauer war. Die rote Mauer! In einem von Glyzinien überwucherten Dickicht entdeckte er schließlich eine steingrau gestrichene Tür, die genau dem künstlichen Felsen angepaßt war und in ihn überzugehen schien.
