
Balthasar, in weißem Hemd und blaugestreiften Hosen, saß am Wegrand, schwieg und zupfte verlegen an dem von der Sonne versengten Gras. Er bereute schon selbst, seinen Bruder Christo als Spion zu Salvator geschickt zu haben.
Christo war zehn Jahre älter als Balthasar, trotz seines Alters aber noch immer ein kräftiger und gewandter Mann, schlau und verschlagen wie eine Wildkatze. Er hatte sich in der Landwirtschaft versucht, aber die Arbeit langweilte ihn bald. Dann übernahm er eine kleine Hafenkneipe, hatte jedoch durch seine Vorliebe für den Wein bald alles versoffen. In den letzten Jahren gab sich Christo mit dunklen Geschäften ab. Seine ungewöhnliche Schlauheit und Skrupellosigkeit trieb er oft bis zum Verrat. Ein solcher Mensch war ein geeigneter Spion. Doch durfte man ihm nicht zu sehr vertrauen. Ging es um seinen eigenen Vorteil, so konnte er selbst seinen Bruder verraten, Balthasar wußte das und war deshalb ebenso beunruhigt wie Surita.
„Bist du sicher, daß Christo deinen Luftballon bemerkt hat?“
Balthasar zuckte unbestimmt mit den Schultern. Er verwünschte das ganze Unternehmen und dachte sehnsüchtig daran, möglichst schnell nach Hause zu kommen, seine trockene Kehle mit kühlem Wasser und Wein zu begießen und sich auf seinem Lager auszustrecken.
Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne beschienen die staubigen Hügel, als ein schriller, lauter Pfiff ertönte.
Balthasar fuhr zusammen: „Das ist er!“
„Endlich!“
Christo schritt rüstig auf sie zu. Er sah nicht mehr wie ein abgezehrter Indio aus. Verwegen pfeifend kam er näher, begrüßte Balthasar und Surita.
„Was ist, hast du den Meerteufel gesehen?“ fragte ihn Surita gespannt.
„Noch nicht, aber ich weiß, daß er da ist. Salvator verbirgt ihn hinter vier Mauern. Die Hauptsache ist erreicht: Ich bin bei Salvator angestellt, und er vertraut mir. Die Sache mit der kranken Enkelin hat gut geklappt.“ Christo lachte laut auf.
