Ichtiander blickt empor. Das dunkle Gewölbe über ihm ist dicht mit kleinsten Sternen übersät. Die Leuchttierchen haben ihre Lichter entzündet und schweben zu Wasseroberfläche. Stellenweise schimmern durch die Dunkelheit bläuliche und rosarote Nebel — dichte Ansammlungen von winzigen, leuchtenden Lebewesen. Langsam treiben, ein weiches grünliches Licht ausstrahlend, Kugeln vorbei. Ganz nahe wird Ichtiander von einer Meduse geblendet, die wie eine Lampe aussieht, an deren spaßigen Schirm lange Fransen zotteln.

Auf den Sandbänken scheinen schon die Meeressterne. Durch die tieferen Schichten huschen die großen nächtlichen Räuber. Sie jagen in der Runde, ihr Widerschein verlöscht und glimmt wieder auf wie bei einer Laterne mit Wackelkontakt.

Wieder eine Untiefe. Die seltsam verästelten Korallen versprühen von innen heraus hellblaue, rosarote, grüne und weiße Feuer.

Von der Erde aus erblickt man nachts nur kleine ferne Sterne oder den Mond. Hier aber erstrahlen Tausende Sterne, Tausende Monde, Tausende bunter Sonnen im sanften Licht. Die Nacht des Meeres ist unvergleichlich prächtiger. Und um wieder irdische Schönheiten zu spüren, taucht Ichtiander auf.

Die Luft hat sich erwärmt. Über ihm das dunkelblaue, sternenübersäte Firmament. Über dem Horizont steht die silbrige Scheibe des Mondes. Von ihm aus zieht sich eine silberne Straße über das ganze Meer.

Vom Hafen her ertönt der tiefe, langgezogene Ruf einer Schiffssirene. Das ist die „Horrox“. Das Riesenschiff legt ab, um die Rückreise anzutreten.

Der neue Tag ist schon zu ahnen. Ichtiander war fast vierundzwanzig Stunden von zu Hause fort. Der Vater wird schelten.

Ichtiander schwimmt zum Tunnel, schiebt seine Hand zwischen die Stäbe, öffnet das eiserne Gitter und bewältigt das letzte Stück seines Rückweges in tiefster Finsternis, peilt durch die kalte Strömung, die vom Meer zu den Gartenbassins flutet.



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