„Schneller, schneller“, ermunterte ihn der entgegenschwimmende Ichtiander. Er schwang sich auf den Rücken des Delphins: „Komm ganz schnell fort von hier!“

Dem Befehl des Jünglings folgend, schwamm der Delphin rasch dem offenen Meer zu, Wind und Wellen entgegen, durchpflügte die aufschäumenden Wogen. Aber Ichtiander erschien das Tempo immer noch zu gering.

„Was ist denn? Schneller, schneller!“

Plötzlich ließ sich der junge Reiter vom Rücken des Delphins gleiten und verschwand in den Tiefen des Meeres. Erstaunt schnaubend wartete der Delphin ein Weilchen, grunzte noch einmal unzufrieden, kehrte mit einem kräftigen Schwanzschlag um und schwamm wieder der Küste zu. Obwohl er sich noch mehrmals umwandte, sah er den Freund nicht mehr und gesellte sich wieder seinem Rudel zu.

Ichtiander dagegen tauchte tiefer und tiefer in die düsteren Meeresschichten. Er wollte allein sein, wieder zu sich kommen nach den Schrecknissen der Stadt, sich auseinandersetzen mit allem, was er erfahren und gesehen hatte. Er schwamm weit hinaus, die Gefahr nicht achtend. Er versuchte zu verstehen, warum er anders war als alle, ein Fremdling im Meer und auf der Erde.

Nur noch langsam sank er tiefer. Das Wasser wurde dichter und bedrängte seinen Atem in der undurchdringbaren graugrünen Düsternis. Die Lebewesen wurden seltener. Einige von ihnen waren Ichtiander unbekannt. Er hatte sich noch nie in solche Tiefen hinabgewagt. Und plötzlich erfaßte ihn Angst vor dieser schweigenden, drohenden Welt. So schnell wie möglich tauchte er empor und schwamm zur Küste.

Die Sonne ging gerade unter. Ichtiander war ohne Brille und erblickte deshalb die Wasseroberfläche so, wie sie den Fischen sichtbar wird: Aus dem Wasser heraus erscheint sie nicht als Ebene sondern als Konus, als ob man sich am Grunde eines riesigen Trichters befände. Die Konusgrenzen schienen mit roten, gelben, grünen, blauen und violetten Säumen eingefaßt zu sein, und dahinter spiegelte die Wasseroberfläche Felsen, Pflanzen und Fische.



68 из 158