Täglich schwamm Ichtiander zu der Stelle am Strand, wo er das Mädchen zum ersten Mal gesehen hatte. Er verbarg sich am felsigen Ufer und wartete von morgens bis in den späten Abend in der Hoffnung, sie zu erspähen. Sobald Ichtiander an den Strand kam, nahm er, um das Mädchen nicht zu erschrecken, die Brille ab, streifte die Handschuhe ab und zog seinen weißen Anzug an. Häufig verbrachte er ganze Tage an diesem Punkt. Nachts tauchte er ins Wasser, nährte sich von Fischen und Austern und schlief unruhig, um noch im Morgengrauen wieder auf seinem Posten zu sein.

Eines Tages entschloß er sich, zum Laden des Perlenhändlers zu gehen. Die Tür stand offen, am Ladentisch saß der alte Indianer. Aber von dem Mädchen war nichts zu sehen. Enttäuscht kehrte Ichtiander zum Meer zurück.

Er erstarrte fast, als er das Mädchen auf dem Strandfelsen in einem duftigen weißen Kleid und mit großem Strohhut erblickte. Wie angewurzelt blieb Ich-

tiander stehen, unschlüssig, näherzutreten. Das Mädchen schien jemand zu erwarten. Ungeduldig ging sie auf und ab und schaute immer wieder den Weg entlang. Sie bemerkte Ichtiander, der an einem Felsvorsprung stehengeblieben war, nicht.

Plötzlich winkte das Mädchen einem hochgewachsenen, breitschultrigen jungen Mann, der ihr auf dem Weg entgegeneilte. Noch nie hatte Ichtiander so helle Augen und Haare bei einem Menschen gesehen. Der Riese näherte sich dem Mädchen, streckte ihm seine breite Hand entgegen und sagte zärtlich: „Guten Tag, Guttiere.“

„Guten Tag, Olsen“, antwortete sie.

Der Fremde drückte kräftig Guttieres schmale Hand.

Ichtiander wurde das Herz schwer.

„Hast du das Halsband mitgebracht?“ fragte der Fremde.

Guttiere nickte.

„Wird es dein Vater nicht bemerken?“

„Nein“, antwortete das Mädchen, „das sind meine eigenen Perlen, mit denen kann ich machen, was mir gefällt.“



72 из 158