Beide traten an den Rand des Felsens. Guttiere öffnete die Öse des Halsbandes, faßte einen Zipfel der Schnur und hielt sie gegen das Licht: „Sieh, wie wunderbar die Perlen im Abendrot schimmern. Nimm sie Olsen.“

Olsen streckte schon die Hand aus, als die Perlen Guttieres Hand entglitten und ins Meer fielen.

„Was habe ich angerichtet“, schrie das Mädchen entsetzt auf.

Betrübt blickten beide in die Tiefe.

„Vielleicht könnten wir das Halsband herausholen?“ meinte Olsen.

„Hier ist es viel zu tief“, sagte Guttiere und jammerte: „Welch ein Unglück, Olsen!“

Ichtiander sah die Verzweiflung des Mädchens und vergaß in diesem Moment, daß sie die Perlen ja dem hellhaarigen Riesen schenken wollte. Er konnte ihrem Schmerz gegenüber aber nicht gleichgültig bleiben. Entschlossen trat er aus seinem Versteck und ging auf Guttiere zu.

Olsen blickte finster, aber Guttiere schaute Ichtiander erstaunt an. Sie erkannte in ihm sofort jenen Jüngling wieder, der so fluchtartig den Laden verlassen hatte.

„Soll ich das Halsband suchen?“ fragte Ichtiander freundlich.

„Sogar mein Vater, der beste Taucher hier, würde das nicht schaffen“, entgegnete das Mädchen.

„Ich will‘s versuchen“, sagte Ichtiander und sprang, zur Verwunderung der beiden, mit seinem Anzug von den hohen Felsen ins Meer.

Olsen wußte nicht, was er davon halten sollte. „Wer ist das, wo kam er her?“

Eine Minute verging, eine zweite, der Jüngling blieb verschwunden. Aufgeregt beobachtete Guttiere das Meer. „Er ist umgekommen“, bangte sie.

Ichtiander wollte dem Mädchen eigentlich verheimlichen, daß er auch unter Wasser leben konnte. Jedoch hatte er bei seiner begeisterten Suche jene Zeit, die ein Taucher unter Wasser bleiben konnte, schlecht bemessen.

Er tauchte auf und bat lächelnd: „Noch ein bißchen Geduld! Der Grund ist sehr steinig. Aber ich wird’s schon finden.“ Und war schon wieder in den Wellen verschwunden.



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