Bei Sonnenuntergang erschien dann ebenso wie beim vorigen Mal zuerst Guttiere allein.

Ichtiander verließ seinen schützenden Felsen und ging auf sie zu. Das Mädchen nickte ihm wie einem alten Bekannten zu und fragte lächelnd:

„Verfolgen Sie mich?“

„Ja“, erwiderte Ichtiander verlegen. „Sie haben Olsen ihr Halsband geschenkt. Aber ich sah, wie sie die Perlen vorher streichelten. Lieben Sie Perlen?“

„Ja.“

„Dann nehmen Sie diese von mir.“

Er hielt ihr eine Perle entgegen. Guttiere kannte gut deren Wert. Die Perle, die auf Ichtianders Hand lag, übertraf alle, die sie je gesehen hatte oder von denen sie aus den Erzählungen ihres Vaters gehört hatte. Die ebenmäßig geformte Perle von reinstem Weiß wog sicher zweihundert Karat und war ihre Million Pesos wert.

Bestürzt betrachtete Guttiere abwechselnd die ungewöhnliche Perle und den schönen Jüngling. Kraftvoll, geschmeidig, gesund, jedoch ein wenig verlegen in seinem zerbeulten weißen Anzug, glich er den reichen Jünglingen von Buenos Aires wenig. Und er bot ihr, einem Mädchen, das er kaum kannte, ein derartig kostspieliges Geschenk an.

„Nehmen Sie doch“, beharrte Ichtiander.

„Nein“, erwiderte Guttiere kopfschüttelnd, „ich kann es nicht annehmen.“

„Ich gebe Ihnen diese Perle sehr gern“, erklärte Ichtiander. „Auf dem Meeresgrund gibt es davon noch Tausende.“

Guttiere lächelte, lehnte jedoch abermals ab.

Ichtiander war gekränkt. „Wenn Sie diese Perle nicht für sich nehmen wollen: Olsen wird sie Ihnen bestimmt nicht abschlagen.“

Guttiere war erzürnt. „Er nimmt sie doch nicht für sich“, sagte sie weinend. „Sie kennen die Zusammenhänge nicht.“

Ichtiander warf die Perle weit ins Meer, nickte schweigend und entfernte sich.

Die verblüffte Guttiere stand noch immer unbeweglich da. Ein Vermögen wie einen Kieselstein ins Wasser zu werfen! Warum auch mußte sie diesen sonderbaren Jüngling so kränken?



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