„Warten Sie, wohin gehen Sie denn?“

Aber Ichtiander überhörte ihren Ruf und ging mit tief gesenktem Kopf weiter. Guttiere lief ihm nach, holte ihn ein, nahm ihn bei der Hand und blickte ihm ins Gesicht. Tränen liefen ihm über die Wangen. Noch nie hatte Ichtiander geweint, und deshalb konnte er nicht begreifen, warum er alles trüb und verschwommen sah. Es schien ihm, als ob er ohne Brille unter Wasser schwimmen würde.

Das Mädchen ergriff seine Hände und sagte: „Verzeihen Sie mir, ich habe Sie gekränkt.“

Suritas Ungeduld

Nach dieser Begegnung mit dem schönen Mädchen schwamm Ichtiander jedem Abend zum Strand nahe der Stadt, klaubte seinen Anzug aus dem Versteck, kleidete sich an und eilte zum Felsen, wo Guttiere schon auf ihn wartete. Sie gingen am Ufer entlang und unterhielten sich lebhaft. Guttiere fragte sich: Wer eigentlich ist mein neuer Freund? Er war klug und geistreich, kannte sich aus auf Gebieten, von denen das Mädchen nichts wußte. Und doch verstand er oft einfachste Dinge, die jedes Stadtkind aus dem Stegreif hersagen konnte, nicht. Wie war dieser Gegensatz zu erklären?

Ichtiander sprach nur ungern über sich selbst. Mit der vollen Wahrheit wollte er nicht heraus. Das Mädchen erfuhr nur, daß er der Sohn eines Arztes war, eines anscheinend sehr wohlhabenden Mannes, der seinen Sohn fern der Stadt und der menschlichen Gesellschaft erzog.

Manchmal saßen sie lange am Strand. Zu ihren Füßen rauschte die Brandung, über ihnen schimmerten die Sterne. Das Gespräch verstummte, Ichtiander war glücklich.

„Es wird Zeit zu gehen“, sagte das Mädchen. Ichtiander erhob sich unlustig, begleitete sie bis zur Vorstadt, kehrte dann eilig zurück, warf die Kleider ab und schwamm nach Haus e.

Nach dem Frühstück nahm er ein großes Weißbrot mit und begab sich zur Bucht. Er setzte sich auf den sandigen Meeresgrund und fütterte die kleinen Fische. Sie umringten ihn in Schwärmen, schlüpften zwischen seinen Fingern hindurch und rissen ihm gierig das auf geweichte Brot aus den Händen. Manchmal brachen größere Fische in den Schwarm ein und verfolgten die Kleinen. Der Amphibienmensch verscheuchte die Räuber. Die kleinen Fische suchten Schutz hinter seinem Rücken.



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