Raumstation Galileo

Sie waren hinter ihr her.

Pancho Lane steckte noch immer im Raumanzug. Sie jagte schwerelos durchs Labormodul und erschreckte die japanischen Techniker bei ihrem Flug durch den zentralen Korridor, wobei sie sich alle paar Meter mit kräftigen Händen an der Labor-Ausrüstung abstieß. Hinter sich hörte sie die zornigen Rufe der Männer.

Wenn einer von diesen Hirnis auf den Trichter kommt, in den Anzug zu steigen und mich auf einer EVA (EVA = Extravehicular Acticity: Weltraumspaziergang — Antn. d. Übers.) abzufangen, bin ich erledigt, sagte sie sich.

Es hatte als Spiel angefangen, als Wettstreit. Welcher von den Piloten, die sich an Bord der Station befanden, hielt es am längsten im Vakuum aus? Es waren sechs ›Raketenjockeys‹ der Astro Corporation, die auf den Rücktransport nach Selene City warteten: vier Männer, Pancho und das neue Mädchen, Amanda Cunningham.

Pancho hatte sie natürlich angestachelt. Das war Teil des Plans. Sie hatten sich alle in der Bordküche versammelt und wären buchstäblich abgehoben, wenn sie sich nicht in den Fußschlaufen verankert hätten, die am Boden unterm Tisch und ums einzige Tischbein befestigt waren. Die Unterhaltung hatte sich schließlich nur noch ums Vakuum-Atmen gedreht: Wie lang vermag man im Weltraum den Atem anzuhalten, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen?

»Der Rekord liegt bei vier Minuten«, hatte einer der Männer gesagt. »Er wird von Harry Kirschbaum gehalten.«

»Harry Kirschbaum? Wer, zum Teufel, ist das? Ich habe noch nie von ihm gehört.«

»Er ist jung gestorben.«

Darüber hatten alle gelacht.

Amanda, die gerade erst von der Technischen Universität in London zum Team gestoßen war, hatte das engelsgleiche Gesicht eines Schulmädchens mit weichem blondem Lockenhaar und großen, unschuldigen blauen Augen — aber ihre Kurven raubten den Männern den Atem. »Bei einer Übung im Vakuum-Tank musste ich den Helm einmal verstellen«, sagte sie.



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