Er war ein Mann, der selten lobte oder tadelte. Seine Methode den Angestellten gegenüber war einfach; er gab ihnen eine faire Chance, und die Ungeeigneten entließ er prompt. In der Auswahl seiner Leute war er unkonventionell. Knighton, zum Beispiel, hatte er vor zwei Monaten in einem Schweizer Kurort kennen gelernt. Der Mann hatte ihm gefallen; als er dessen Kriegsunterlagen durchsah, fand er darin die Erklärung für sein leichtes Hinken. Knighton hatte kein Geheimnis daraus gemacht, dass er eine Stellung suchte; tatsächlich hatte er den Millionär ganz offen gefragt, ob er nicht einen Posten für ihn wüsste. Van Aldin erinnerte sich mit einem Lächeln grimmiger Belustigung an das maßlose Erstaunen des jungen Mannes, als er ihn kurzerhand selbst als Privatsekretär engagierte.

«Ich — ich habe aber keine kaufmännische Praxis», hatte er gestammelt.

«Ist mir völlig schnuppe», hatte Van Aldin geantwortet. «Für so etwas habe ich schon drei Sekretäre. Ich werde aber wohl sechs Monate in England sein und brauche einen Engländer, der — na ja, die Spielregeln kennt und die gesellschaftlichen Dinge für mich erledigen kann.»

Bisher hatte sich Van Aldins Urteil bestätigt. Knighton erwies sich als schnell, intelligent, einfallsreich und war außerdem charmant.

Der Sekretär wies auf drei oder vier Briefe, die er beiseite gelegt hatte.

«Auf die hier sollten Sie vielleicht selbst noch einen Blick werfen, Sir», riet er. «Der oberste betrifft den Col-ton-Vertrag.»

Aber Rufus Van Aldin hob abwehrend die Hand.

«Heute Abend schaue ich mir den blöden Kram nicht an», sagte er. «Die können alle bis morgen warten. Bis auf das hier», setzte er hinzu. Dabei blickte er auf den Brief, den er in der Hand hielt. Und wieder glitt jenes seltsame verwandelnde Lächeln über sein Gesicht.

Richard Knighton lächelte verständnisvoll.

«Mrs Kettering?», murmelte er. «Sie hat gestern und heute angerufen. Sie scheint Sie ganz dringend sofort sehen zu wollen, Sir.»



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