
«Ich lasse mir deine verdammte Dreistigkeit nicht bieten», brüllte Van Aldin.
Derek Kettering lächelte ihn unbewegt an.
«Du hast Recht. Es ist eine antiquierte Idee», sagte er. «Ein Titel ist ja heute nichts mehr wert. Trotzdem, Le-conbury ist ein schöner alter Ort, und immerhin gehören wir zu den ältesten Familien Englands. Es wird sehr ärgerlich für Ruth, wenn sie sich von mir scheiden lässt und ich wieder heirate und statt ihrer eine andere Frau in Le-conbury die Königin spielt.»
«Ich meine es ernst, junger Mann», sagte Van Aldin.
«Ich auch», sagte Kettering. «Finanziell sitze ich ziemlich auf dem Trockenen; ich komme in eine scheußliche Klemme, wenn Ruth sich scheiden lässt, und schließlich hat sie es zehn Jahre ausgehalten, warum nicht noch ein bisschen länger? Ich gebe dir mein Ehrenwort, dass der alte Mann keine achtzehn Monate mehr übersteht, und, wie gesagt, es wäre doch ein Jammer, wenn Ruth nicht das kriegt, wofür sie mich geheiratet hat.»
«Du willst behaupten, meine Tochter hätte dich wegen deines Titels und deiner Stellung geheiratet?»
Derek Kettering lachte, aber es klang nicht amüsiert.
«Du glaubst doch nicht, es wäre eine Liebesheirat gewesen?»
«Ich weiß», sagte Van Aldin langsam, «dass du in Paris vor zehn Jahren ganz anders geredet hast.»
«Habe ich das? Möglich. Ruth war sehr schön, weißt du — fast wie ein Engel oder eine Heilige oder irgendwas, das aus einer Nische in einer Kirche herabgestiegen ist. Ich weiß noch, ich hatte damals gute Vorsätze, wollte ein neues Leben anfangen und sesshaft werden und ein höchst traditionelles englisches Familienleben führen, mit einer schönen Frau, die mich liebt.»
Er lachte wieder, diesmal eher misstönend.
«Aber das glaubst du mir ja doch nicht, wie?», fügte er hinzu.
«Für mich gibt es keinen Zweifel, dass du Ruth wegen ihres Geldes geheiratet hast», sagte Van Aldin ungerührt.
