Sie sah Krassnine bedeutsam an.

«Hm?»

«Mein Anteil, Boris Iwanowitsch.»

Ein wenig widerwillig gab Krassnine ihr zwei der Scheine. Sie nickte zum Dank, ohne jede Gefühlsregung, und steckte sie in ihren Strumpf.

«Das ist gut», bemerkte sie befriedigt.

Er sah sie neugierig an.

«Du empfindest kein Bedauern, Olga Wassilowna?»

«Bedauern? Weshalb?»

«Wegen der Dinge, die du aufbewahrt hast. Es gibt Frauen — die meisten Frauen, glaube ich, würden bei so etwas verrückt werden.»

Sie nickte versonnen.

«Ja, da hast du Recht. Die meisten Frauen leiden an diesem Wahnsinn. Ich nicht. Ich frage mich.» Sie brach ab.

«Was denn?», fragte Krassnine neugierig.

«Der Amerikaner ist in Sicherheit, trotz des Päckchens, das er bei sich trägt — ja, davon bin ich überzeugt. Aber später.»

«Eh? Woran denkst du?»

«Er wird sie natürlich einer Frau schenken», sagte Olga nachdenklich. «Ich frage mich, was dann geschieht.»

Sie riss sich zusammen und ging zum Fenster. Plötzlich stieß sie einen Laut aus und rief ihren Gefährten.

«Sieh mal, jetzt geht er die Straße entlang — der Mann, von dem ich gesprochen hatte.»

Beide starrten gemeinsam hinunter. Eine schlanke, elegante Gestalt ging gemächlich vorbei. Sie trug Zylinder und Abendmantel. Als sie unter einer Laterne entlangging, fiel das Licht auf einen vollen weißen Schopf.

Zweites Kapitel


Monsieur le Marquis

Der Weißhaarige ging ohne Eile seines Weges, anscheinend völlig gleichgültig seiner Umgebung gegenüber. Er bog in eine Seitenstraße nach rechts ein und in eine weitere nach links. Hin und wieder summte er eine Melodie vor sich hin.

Plötzlich blieb er stehen und lauschte gespannt. Er hatte ein bestimmtes Geräusch gehört. Es konnte das Platzen eines Reifens gewesen sein oder vielleicht — ein Schuss. Ein seltsames Lächeln spielte kurz um seine Lippen. Dann ging er gelassen weiter.



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